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Kaiser Maximilian
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Das moderne Farbstudententum

Grundsätzlich kann man die Welt des österreichischen Couleurstudententums in konfessionelle und national-freiheitliche Verbindungen trennen.

Die katholischen Verbindungen

Die österreichischen Verbände

Die katholischen Verbindungen versuchten seit der Mitte des 19. Jh., sich zu organisieren, was durch regionale, politische und persönliche Probleme immer wieder verschleppt und verzögert wurde. Schließlich bildeten sich 1933 der MKV als Organisation der katholischen Pennalien (= Mittelschulverbindungen) und der Österreichische Cartell-Verband (ÖCV) für die katholischen Hochschulverbindungen (durch Austritt aus dem gesamtdeutschen CV, der von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet worden war).

Der ÖCV umfaßt Verbindungen an allen Universitäten Österreichs, die ähnlich einer MKV-Verbindung aufgebaut, aber in der Regel viel größer sind. Der ÖCV ist nach dem Vorortsprinzip organisiert, d.h. eine Verbindung übernimmt für ein Jahr den Vorsitz des Verbandes. Der größte Ortsverband des CV ist der Wiener CV, dem die Hälfte aller ÖCV-Verbindungen angehören. Inklusive befreundeter Verbindungen umfaßt der ÖCV z. Zt. (Jänner 1997) 46 Korporationen und diese ca. 9000 Mitglieder.

Der ÖKV (Österreichischer Kartellverband) ist der Verband der nichtfarbentragenden katholischen Studentenvereine, also auch ein Hochschulverband. Er umfaßt elf Verbindungen, von denen derzeit neun aktiv sind. Er stand immer im Schatten des ÖCV und wird oft mit diesem verwechselt, doch kamen aus den Reihen des ÖKV immer wieder große Persönlichkeiten. In Graz ist der ÖKV übrigens sogar ähnlich stark wie der ansässige ÖCV - beide umfassen dort vier voll aktive Verbindungen!

Der Akademische Bund der Katholischen Österreichischen Landsmannschaften (KÖL) ist die Dachorganisation der zwölf Landsmannschaften an Österreichs Universitäten. Ihre Ursprünge reichen in die 20er Jahre zurück, als Anhänger einer konstitutionellen Monarchie (das ist eine durch Verfassung eingerichtete Monarchie mit einem vom Volk gewählten Parlament, in der die Rechte der einzelnen Staatsorgane genau festgelegt sind) sich zusammenfanden. Damals war der monarchistische Gedanke in Österreich noch sehr stark und der Glaube an die junge Republik sehr gering. Auch heute noch gibt es viele, für die die Positivargumente für eine Demokratie, deren Staatsoberhaupt ein Monarch ist, schwerer wiegen als die Gegenthesen. Daher erfreuen sich die mit dem MKV befreundeten Landsmannschaften ungebrochenen Zustroms.

Der Ring katholischer akademischer Burschenschaften (RkaB) trägt einen verwirrenden Namen, denn mit Burschenschaften hat dieser Verein nichts zu tun. Er ging aus sogenannten „wissenschaftlichen Vereinen“ hervor; heute umfaßt der RkaB vier Vereine.

Mädchen in Couleur

Aufgrund der gewachsenen Traditionen und der speziellen Ausprägung des Verbindungslebens in rein männlichen Korporationen haben sich sowohl MKV als auch ÖCV entschlossen, die Verbindungen in dieser Form zu erhalten.

Das bedeutet aber nicht, daß Mädchen vom Couleurstudententum ausgeschlossen sind; der Verband farbentragender Mädchen (VfM) auf Mittelschulebene und der Verband Christlicher Studentinnen (VCS) auf Hochschulebene zeigen, daß ein weibliches Couleurstudententum sehr lebendig sein kann, wenn es eigene Formen und Traditionen entwickelt. Beide Verbände sind mit dem MKV befreundet, auch für ihre Mitglieder gilt das Du-Wort.

Manche MKV-Verbindungen haben auch für der Verbindung nahestehende Mädchen und Damen sogenannte Damenzirkel eingerichtet, die die Verbundenheit mit der Pennalie ausdrücken. In den letzten Jahren hat die Zahl farbtragender Mädchen stark zugenommen und sie sind heute schon fast in jedem Bundesland vertreten. Freilich unterscheidet sich der Farbcomment oft beträchtlich (so trägt z.B die Studentinnenverbindung Koinonia Wien im VCS Broschen und Stecktücher in den Verbindungsfarben). Es ist auf alle Fälle unangebracht, solchen Farbschwestern feindselig gegenüberzustehen.

Daneben gibt es noch sogenannte „gemischte Verbindungen“. Sie haben sich im Sinne eines gesellschaftspolitischen Gesamtanspruches für Verbindungen mit vollberechtigten weiblichen und männlichen Mitgliedern entschlossen, so z.B. die mit dem MKV befreundete Clunia Feldkirch oder die in Unfrieden geschiedene Siegberg Dornbirn. Natürlich ändert sich dabei einiges im gewohnten Verbindungsleben. Dennoch beweisen diese Verbindungen immer wieder, daß es ihnen gelingt, Comment und Brauchtum auf ihre speziellen Verhältnisse anzupassen, was allerdings so manchem „gstandenen“ Couleurstudenten einiges vermissen läßt. Dazu kommt aber auch ein stärkerer gesellschaftspolitischer Anspruch, den eine gemischte Verbindung stellen kann.

Ein positives Beispiel stellt die dem MKV nahestehende Clunia Feldkirch da, die einen Kompromißweg gesucht und gefunden hat; es gibt sicher MKV-Verbindungen, die den Comment weniger leben als die Clunia. Ob freilich der Weg der Clunia für andere Verbindungen Vorbildwirkung haben soll oder nicht, sei dem eigenen Urteil überlassen.


Der EKV

Die katholischen Verbände und ihnen nahestehende Verbindungen haben unter Federführung des MKV den Europäischen Kartellverband gegründet, der unsere Freundschaft über nationale, sprachliche und geographische Grenzen hinweg zum Ausdruck bringt. Der EKV vertritt unsere gemeinsamen Interessen auch sehr aktiv beim Europarat in Strasbourg und beim Europäischen Parlament in Brüssel. Durch seine Bildungsveranstaltungen möchte er allen Kartellschwestern und Kartellbrüdern aus seinen Mitgliedsverbänden die Idee eines vereinten Europa näherbringen und ihnen allen neue Chancen in Europa eröffnen.

Im EKV sind MKV, ÖCV, ÖKV, KÖL, RkaB, VfM und VCS für Österreich vertreten; doch auch in anderen Ländern blüht das Couleurstudententum.

Deutschland ist durch fünf Verbände im EKV vertreten. Der deutsche CV ist der größte katholische farbstudentische Bund Deutschlands und mit dem ÖCV durchaus vergleichbar. Einer seiner prominentesten Mitglieder ist übrigens (man staune!) Thomas Gottschalk. Der deutsche KV ist aber nur unwesentlich kleiner, hier steht es also ganz anders als in Österreich, wo ÖCV und ÖKV in der Mitgliederzahl sehr differieren. Daneben gibt es auch in Deutschland einen Ring katholisch deutscher Burschenschaften (RkdB), der wie sein österreichische Kollege einen irreführenden Namen trägt; tatsächlich handelt es sich um einen eher wissenschaftlich orientierten Verband katholischer Studentenvereine. Und das hat er mit dem deutschen Unitas-Verband gemeinsam, der Dachorganisation der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine. Schließlich gibt es in Deutschland noch den Technischen Cartellverband (TCV), der die katholischen Bünde an den technischen Fachhochschulen Deutschlands eint. Es gibt in Deutschland zwar auch Pennalien, zu denen der MKV Kontakte pflegt, die aber in keinem gesamtdeutschen Dachverband organisiert und auch nicht Mitglied des EKV sind.

In Belgien gibt es den Katholiek Vlaams Hoogstudentenverbond (KVHV); er umfaßt nur Flamen (niederländisch sprechende Belgier) und ist national ausgerichtet. Wallonische Studentenverbindungen (französisch sprechende Belgier) sind bis dato nicht bekannt.

Der Schweizer Studentenverband (SchwStV) ist nicht nur durch sein Zentralfest bekannt, das jeden Sommer hunderte Couleurstudenten aus ganz Europa in die Schweiz lockt, sondern durch seine sprach- und bildungswegübergreifende Struktur. So finden sich im SchwStV gemischte und eingeschlechtliche, Hochschul- und Mittelschulverbindungen, französische und deutsche Verbindungen. Daher gibt es auch innerhalb des SchwStV Unterverbände, die den unterschiedlichen Ausrichtungen der Verbindungen Rechnung tragen. Der SchwStV bekennt sich klar zu einer politischen Partei, der Christlichen Volkspartei, von der er im Gegenzug entsprechenden Einfluß verlangt (und auch bekommt; in der kleinen Schweizer Regierung ist der SchwStV vertreten). Übrigens heißen die Verbindungen in der Schweiz etwas anders, nämlich Sektionen. Auch eine Verbindung aus Österreich ist Mitglied des SchwStV, die Helvetia Oenipotana Innsbruck, die aus den in Innsbruck studierenden Schweizern besteht.

Als Erbe der Vergangenheit Österreichs besteht auch im Bozener Teil Tirols ein Mittelschülerverband, der STMV, der auch Mitglied des EKV ist, zur Zeit aber nur aus einer aktiven Verbindung besteht, die sich in Vorgriff auf mögliche künftige Änderungen in Europa mittlerweile dem Tiroler Mittelschülerverband (TMV), das ist der dortige Landesverband des MKV, angeschlossen hat.

In Ungarn ist der Verband KEDEX (Keresztény Diákegyesületek Kartellszövetsége - Kartellverband christlicher Studentenverbindungen in Ungarn) das Bindeglied der dortigen Studentenverbindungen, die teils schon vor der Wende im Geheimen entstanden sind und zu denen einige MKV-Verbindungen traditionell gute Kontakte pflegen.

Zusätzlich sind Verbindungen aus Frankreich (Elsaß), Liechtenstein, der Slowakei, Slowenien und der Ukraine Mitglied im EKV. In der Slowakei gibt es Bestrebungen einen Dachverband zu gründen, der übrigens sowohl Mittelschul- als auch Hochschulverbindungen umfaßt. In Polen hat der deutsche CV Verbindungsgründungen in Angriff genommen. Es gibt übrigens auch in Italien eine Verbindung (die Capitolina Rom, die für deutsche Studenten in Rom gegründet wurde) und in Japan (die Edo Rhenania Tokio, die viele japanische Mitglieder umfaßt).


Die National-Freiheitliche Studentenschaft

Diese Verbindungen, die sich auf die Burschenschaften des vorigen Jahrhunderts zurückführen, werden durch mehrere Merkmale gekennzeichnet: Sie sind pflichtschlagend (d.h. die Mitglieder müssen zumindest ein Duell [eine Mensur] gefochten haben) oder freischlagend (d.h es steht jedem frei, ob er sich duellieren will; diese Verbindungen werden von den pflichtschlagenden eher herablassend betrachtet), nicht-christlich (bisweilen sogar antichristlich) und deutschnational. Das bedeutet nicht unbedingt großdeutsch, also für einen Anschluß eintretend. Im Gegensatz zum MKV, der sich zur historisch gewachsenen Nation Österreich bekennt, steht bei den Burschenschaftern das Bekenntnis zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft. Österreich als souveräner Staat wird als Tatsache, aber nicht als Notwendigkeit anerkannt.. Schließlich sind die Burschenschaften weitaus stärker parteiungebunden; Liberale und Sozialisten fanden sich früher durchaus im Lager der Burschenschaften. Auch heute gibt es Vertreter der Burschenschaften in zwei Parlamentsparteien (FPÖ, ÖVP), wobei aber der weitaus größte Teil seine politische Heimat bei der FPÖ gefunden hat, deren Obmann Jörg Haider selbst Burschenschafter ist.

Vor dem Verbindungsnamen führen national-freiheitliche Korporationen entweder ein B! (für Burschenschaft), S! (für Sängerschaft) oder ein L! (für Landsmannschaft). Es gibt aber noch andere Möglichkeiten. In Österreich herrscht hier eine bunte Vielfalt vor.

Der Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ hat für die Burschenschaften einen etwas anderen Beigeschmack als für uns; abgesehen davon, das wir Gott vorangestellt haben. Die Burschenschaften gehen von einem oft bis ins kleinste Detail festgelegten Ehrbegriff aus, der nach Duellen und Genugtuung (Satisfaktion)verlangt. Wer nicht fechten will, ist unehrenhaft (daher auch alle katholischen Studenten!). Die katholische Lehre lehnt Duelle ab, da bewußtes Verletzen und Töten nur als Verteidigung bzw. Notwehr in Frage kommt. Das vorsätzliche Verwunden eines Menschen ohne Notwendigkeit lehnt das Christentum rigoros ab!

Die österreichischen Burschenschaften

In Österreich gibt es Burschenschaften sowohl auf Hochschul- als auch auf Mittelschulebene. Die Verbindungen sind zumeist in kleineren Verbänden zusammengeschlossen. Etliche sind auch Mitglied bei Verbänden, deren Schwergewicht in Deutschland liegt.

Die Mittelschulverbindungen sind im Österreichischen Pennälerring (ÖPR) zusammengeschlossen, der die Publikation „Junges Leben“ herausgibt, die bisweilen auch an MKV-Verbindungen geschickt wird. Gleich vorweg: Der MKV hat die Adressen an diesen, unseren schärfsten Konkurrenten im Bereich des pennalen Farbstudententums nicht weitergegeben! Der ÖPR hatte in den letzten Jahren wieder einen Aufwärtstrend zu vermerken, der aber wieder zum Stillstand gekommen sein dürfte.

Übrigens nehmen sich auch die Burschenschaften der Frage „Mädchen in Couleur“ an und gründeten die „Wiener Akademische Mädelschaft Freya“. Sie ist nichtschlagend.

Der Umgang mit Burschenschaften

Grundsätzlich hat der MKV in einem Beschluß der Kartellversammlung festgehalten, daß Aktionen, die der Verbrüderung dienen, abzulehnen sind. Auch wenn es im Brauchtum äußere Ähnlichkeiten gibt, vertritt der MKV als katholischer Verband eine andere Tradition und ein anderes Weltbild. Zudem schadet der Kontakt mit schlagenden Verbindungen dem öffentlichen Bild des MKV, der sich in dieser Hinsicht immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert sieht.. Auch der Besuch von Burschenschaftsveranstaltungen in Couleur ist abzulehnen. Der Du-Comment gilt natürlich nicht, da es sich nicht um Farbenbrüder handelt. Ausnahmen stellen natürlich Situationen da, wo man auch im Alltag zum vertrauten Du greifen würde, etwa, wenn zwei Schüler zusammentreffen.

Sollten Burschenschafter eine MKV-Bude in Couleur betreten, sollte man, sie zum Ablegen desselben höflich aufzufordern. Es ist aber ratsam, wenn ein Eklat droht und der Burschenschafter allein ist, eher Höflichkeit walten zu lassen als in hochkant rauszuwerfen (das ist nämlich auch nicht die feine Art; wir sind ja für Gäste aus allen Lagern offen). Sollten die Burschenschafter aber in größerer Art auftreten oder gar versuchen, Spefüchse abzuwerben, so ist es Eurem Taktgefühl überlassen, die richtigen Maßnahmen zu setzen.

Private Kontakte zu Burschenschaftern sind natürlich nicht verboten; es handelt sich dabei ja nicht um Menschenfresser oder Miniatur-Führer, sondern um normale Mitmenschen. Es sollte aber klar sein, daß es sich dabei nur um private Kontakte handelt, die weder für den MKV noch die Verbindung irgendeine Bedeutung haben.

Andere farbstudentische Bünde

Es gibt daneben noch andere Farbstudenten, die aber im Vergleich zu den erwähnten Lagern eher wenige sind.

Corps sind schlagende, aber völlig unpolitische Verbindungen; in Österreich konnten sie nie richtig Fuß fassen, in Deutschland stellen sie dagegen eine großen Teil der Farbstudenten. Ihr eher elitärer Anspruch begeisterte u.a. Kaiser Wilhelm II. (deutscher Kaiser 1888-1918). Sie sind am C! vor dem Verbindungsnamen erkennbar.

Christliche Verbindungen sind vor allem in konfessionell gemischten Gebieten stark vertreten; es gibt in Deutschland auch rein protestantische Verbindungen. In Österreich gibt es in Wr. Neustadt eine bekannte christliche Verbindung, den Studentenbund „Lichtenstein“, und in Oberschützen im Burgenland die einzige evangelische Mittelschulverbindung der Welt, die „Tauriscia“. Sie pflegen meist einen guten Kontakt zu örtlichen MKV-Verbindungen oder zum MKV-Landesverband.

In Tirol stellt die Frundsberg Schwaz einen einmaligen Fall dar; ihre Mitglieder werden während der Schulzeit Füchse, mit der Matura geburscht und sind während des Studiums aktiv. Diese Hoch- & Mittelschulverbindung hat nicht nur die dortige MKV-Verbindung Juvenia Schwaz verdrängt, sondern blüht auch heute gedeihlich. Aufgrund ihrer Struktur ist sie bei keinem Verband Mitglied.

(Quelle: www.mkv.at)