invis KOEL Maximiliana
Kaiser Maximilian
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Österreichische Geschichte - Kurzfassung

 

Römerzeit:
Die Bevölkerung aus dem Gebiet des heutigen Österreich kam erwiesenermaßen 186 v. Chr. mit den Römern in Kontakt, als Kelten aus dem Alpenraum in Norditalien eine Stadt gründen wollten und von den Römern zur Rückkehr gezwungen wurden. Die als Folge 181 v. Chr. errichtete römische Kolonie Aquileia war für die wirtschaftliche und kulturelle Durchdringung des österreichischen Raums während der ganzen Römerzeit wichtig. Seit 170 v. Chr. bestand zwischen Rom und dem Regnum Noricum ein "hospitium publicum" (staatliche Gastfreundschaft), der diplomatische Verkehr und der Handel wurden sichergestellt, der Einfluss der Großmacht wuchs kontinuierlich (Noreia). 15 v. Chr. wurden die Gebiete des heutigen Tirols und Vorarlbergs in schweren Kämpfen erobert (Rätien), während das Regnum Noricum bis zur Donau weitgehend friedlich besetzt wurde.

Ein von Carnuntum aus gegen die Markomannen unternommener Feldzug musste 6 n. Chr. wegen eines Aufstands in Pannonien abgebrochen werden. Das Wiener Becken, das ursprünglich zu Noricum gehörte, wurde bald aus strategischen Gründen Pannonien angegliedert. Erst unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) erhielten Rätien und Noricum den Rang einer Provinz. Der Bereich nördlich der Donau blieb zunächst keltisch, ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden germanische Siedlungen. Der Ausbau der römischen Grenzverteidigung (Limes) an der Donau erfolgte erst ab der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. In Carnuntum und Vindobona war je eine Legion mit 6000 Mann Fußtruppen stationiert, kleinere Kastelle für 500 oder 1000 Mann Fußtruppen oder Reiterei gab es in Linz, Wallsee, Mauer, Pöchlarn, Mautern, Traismauer, Zwentendorf, Tulln, Zeiselmauer, Klosterneuburg, Wien, Schwechat und Carnuntum. Dazu kamen noch Kleinkastelle und Wachttürme. Ein System von dem Römischen Reich vorgelagerten germanischen Klientelstaaten sollte ebenfalls die Sicherheit an den Grenzen gewährleisten. Die ersten Kastelle mit Gräben, Erdwällen, Holzbefestigungen und Holzinnenbauten wurden ab 100 n. Chr. durch Anlagen mit Steinmauern ersetzt.

Die einheimische Bevölkerung übernahm bereitwillig die römische Kultur (= Romanisierung), die Siedlungen Aguntum, Aelium Cetium (St. Pölten), Brigantium (Bregenz), Carnuntum, Flavia Solva, Iuvavum (Salzburg), Ovilava (Wels), Teurnia und Virunum wurden zu autonomen Städten erhoben (Lauriacum erst unter Caracalla 212). Die lange Friedensperiode als Zeit der wirtschaftlichen und kulturellen Blüte endete 167 n. Chr.: Markomannen und mit ihnen verbündete Germanen durchbrachen die römische Grenzverteidigung an der Donau und stießen bis Oberitalien vor, Siedlungen wurden geplündert und zerstört. Kaiser Mark Aurel leitete von Carnuntum aus die langwierigen Abwehrkämpfe. Die neu aufgestellte 2. Italische Legion wurde nach Albing an die Ennsmündung verlegt und errichtete dort das vielleicht nie fertig gestellte, größte Legionslager Österreichs mit einer Größe von 23 ha. Der Statthalter von Oberpannonien, Septimius Severus, wurde am 9. 4. 193 in Carnuntum zum Kaiser ausgerufen, er förderte in der Folge die Donauprovinzen ganz besonders. Im 3. Jahrhundert erfolgten wiederholte Einfälle von Germanen, Bregenz wurde von den Alemannen zerstört, Rätien, Noricum und Pannonien wurden verwüstet.

Kaiser Diokletian (284-305) reorganisierte die Reichsverwaltung, indem er Provinzen in kleinere Einheiten teilte und zivile und militärische Verwaltung voneinander trennte; in militärischer Hinsicht erhielt Ufernoricum eine neue Legion, die Sollstärke der Einheiten wurde andererseits verringert, auch das Münzsystem wurde reformiert. In der letzten und größten Christenverfolgung im Römischen Reich wurde am 3. oder 4. Mai 304 Florian, der einzige namentlich bekannte frühchristliche Märtyrer Österreichs, in die Enns gestürzt. 307/308 fand in Carnuntum eine Vierkaiserkonferenz statt, um Thronstreitigkeiten nach dem Rücktritt Diokletians beizulegen. Die Kastelle an der Donau wurden in der Spätantike immer mehr zu befestigten Siedlungen, da sich die Provinzbevölkerung (Romanen) zum Schutz vor Einfällen in die durch die Truppenverminderung frei werdenden Lagerbereiche zurückzog; in Binnennoricum entstanden befestigte Höhensiedlungen. Unter Kaiser Valentinian I. (364-375) erfolgte die letzte umfangreiche Bautätigkeit an den Befestigungen und eine Reorganisation der Grenzverteidigung am Donaulimes; der Feldzug gegen die Quaden war der letzte römische Vorstoß über die Donau. Um 396 wurden Teile der Markomannen im ost))((österreichischen Raum als Verbündete angesiedelt.

Zu Beginn des 5. Jahrhunderts zogen immer wieder germanische Gruppen plündernd durch Österreich, so wurde damals Flavia Solva zerstört. 433 wurden Teile Pannoniens an die Hunnen abgetreten, was eine kurze Ruhephase brachte. Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts gehörte Rätien zum Machtbereich der Alemannen. In der unsicheren Zeit nach dem Tod Attilas 453 entfaltete im norischen Raum der heilige Severin seine vielfältige Tätigkeit im religiösen, sozialen und politischen Bereich (Favianis, Vita Severini). Ein lokaler Machtfaktor waren die Rugier mit ihrem Zentrum am nördlichen Donauufer bei Krems. Andererseits existierten noch weitreichende Handelsverbindungen. In der letzten militärischen Aktion von Italien aus besiegte Odoaker in 2 Feldzügen die Rugier und zwang 488 den Großteil der Romanen Ufernoricums östlich der Enns zum Abzug nach Italien. Damit endet nördlich der Alpen die Römerzeit. In Binnennoricum blieben die Verbindungen zum italischen Raum länger erhalten, das Gebiet gehörte zunächst zum Ostgotenreich, dann zum langobardischen Einflussbereich. So endet um 600 mit dem Vordringen der Baiern, Awaren und Slawen und der Zerstörung der letzten römischen Strukturen die Römerzeit im Süden Österreichs. Von großer Bedeutung waren die wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Auswirkungen der Römerzeit, dazu zählten Erschließung der Heilquellen, Stein- und Mörtelbau, Ziegel, Fußbodenheizungen, Bäderanlagen, Wasserleitungen, Kanäle und Straßen; die Provinzialbevölkerung konnte zumindest teilweise lesen und schreiben. Vom hohen Lebensstandard zeugen Ausgrabungsfunde (Archäologie). Mit den Kaufleuten, Handwerkern und Soldaten kam auch das Christentum nach Österreich (Frühchristentum).

Völkerwanderung
Wanderung der meist germanischen Stämme aus ihren Ursprungsgebieten nach Süd- und Westeuropa mit Höhepunkt vom 4. bis zum 6. Jahrhundert; im Zusammenhang damit standen auch das Vordringen der Awaren und Magyaren sowie die Wanderung der slawischen Stämme. Bereits 113-101 v. Chr. drangen Kimbern, Teutonen und Sueben durch österreichisches Gebiet gegen das Römische Reich vor. Bedeutend waren im 2. Jahrhundert n. Chr. die Vorstöße der Markomannen und im 3. Jahrhundert die der Alemannen, die um 259/60 bis zum Bodensee und im 5. Jahrhundert nach Vorarlberg kamen.

Der Einbruch der Hunnen in Südrussland um 370 löste eine großräumige Wanderbewegung aus, die sich in den folgenden Jahrzehnten auch auf das österreichische Donaugebiet auswirkte und die Geschichte des Frühmittelalters bestimmte. Die Westgoten wurden nach 375 zuerst als oströmische Föderaten aufgenommen, brachen unter Heerkönig Radagais aus der hunnischen Oberhoheit aus und zogen unter Alarich (395-410) nach Italien, wobei auch südösterreichische Gebiete berührt wurden (Zerstörung von Flavia Solva). Um 390 wurden Markomannen in Ufernoricum und Oberpannonien angesiedelt, Carnuntum wurde zerstört. 433 musste das Weströmische Reich Pannonien an die Hunnen abtreten, die bis zum Tod Attilas 453 von dort aus Mitteleuropa weitgehend beherrschten. Nach 453 besiegten germanische Völkerschaften unter dem Gepidenkönig Ardarich die Hunnen und andere Germanen am Fluss Nedao (Leitha?). In der Folge kamen viele Ostgoten nach Pannonien und Ostösterreich und zogen 489 nach Italien ab. Im Raum Krems setzten sich die Rugier fest, die aber 487 von Odoakers Bruder Hunwolf besiegt wurden, ihnen folgten die Heruler mit Schwerpunkt im Gebiet Pöchlarn. Das 6. Jahrhundert stand im Zeichen des Vordringens der Langobarden von Norden in das Donaugebiet und der Stammesbildung der Baiern westlich der Enns, ab Mitte des Jahrhunderts drangen die Awaren in Pannonien ein. Langobarden und Awaren zerstörten das Gepidenreich, 568 zogen die Langobarden nach Italien, womit die germanische Wanderung ein vorläufiges Ende fand. Im Gefolge der Awaren kamen die Slawen in das Gebiet des heutigen Österreichs, deren Wanderbewegung die Geschichte des ausgehenden 6. und des 7./8. Jahrhunderts weitgehend bestimmte. Die letzte große Bewegung war das Eindringen der Magyaren in Pannonien am Ende des 9. Jahrhunderts. Insgesamt brachte die Völkerwanderung eine Westverlagerung der Germanen und der nachdrängenden Slawen sowie die Ansiedlung der Ungarn in Pannonien.

Frühchristentum:
Das Christentum dürfte in Österreich vom Balkanraum donauaufwärts und von Norditalien aus verbreitet worden sein. Erste Hinweise auf Christen im Heer von Kaiser Mark Aurel im österreichischen Raum finden sich im Zusammenhang mit dem so genannten Blitz- und Regenwunder in den Markomannenkriegen am 11. 6. 172 n. Chr. Im späten 3. Jahrhundert n. Chr. ist die Existenz kleiner christlicher Gemeinden anzunehmen. Der einzige namentlich bekannte römische Märtyrer Österreichs ist der heilige Florian. Zur Zeit der Synode von Serdica (Sofia) 343 ist zumindest ein Bischof von Noricum nachweisbar, sein Sitz lässt sich nicht ermitteln; später waren Aguntum, Lauriacum, Teurnia und Virunum Bischofssitze. Voll ausgebildet war die kirchliche Organisation zur Zeit der Abfassung der Vita Severini (511). Frühchristliche Kirchenbauten gibt es unter anderem in Aguntum, Duel, am Hemmaberg, in Imst, Lavant, Laubendorf, Lauriacum, Lienz, Nenzing, Pfaffenhofen, Teurnia und Zirl, Grabinschriften in Molzbichl, St. Stefan ob Waiern (Kärnten) und Wels. Tonlampen, Silberlöffel, Fingerringe, eine Gürtelschnalle und ein Halsreif mit Christogramm wurden gefunden. Obwohl so die Ausbreitung des Christentums im 4.-6. Jahrhundert auch archäologisch nachweisbar ist, hielt sich das Heidentum zum Beispiel in Cucullis (Kuchl) doch bis in die Zeit des heiligen Severin (2. Hälfte 5. Jahrhundert).

Christianisierung:
Nach dem Zerfall der römischen Herrschaft im österreichischen Bereich zerbrach auch die kirchliche Organisation. Trotzdem dürfte der christliche Glaube bei der Restbevölkerung fortbestanden haben. Die ostgermanischen Stämme der Völkerwanderung waren in der Mehrzahl Arianer, die Hunnen, Baiern, Slawen und Awaren Heiden. Die neue Christianisierung, die sich in mehreren Wellen vollzog, wurde politisch durch die Franken eingeleitet und vor allem im 8. Jahrhundert durch die Karolinger gefördert.

Die ersten Versuche erfolgten nach 600 durch iroschottische Mönche. Deren Hauptvertreter Kolumban der Jüngere errichtete um 610 bei Bregenz ein Kloster und eine Kirche, musste aber 2 Jahre später nach Italien abziehen († 615 in Bobbio). Sein Schüler Eustasius bekehrte in Bayern und wirkte in Lorch, doch kehrte er 629 nach Irland zurück. Für Österreich wurde auch Gallus († um 645) wichtig, der die Mission der Alemannen des Bodenseeraums vollendete und Vorarlberg auf die Bistümer Chur und Konstanz aufteilte. Darüber hinaus erreichte die von einzelnen Mönchen getragene iroschottische Mission nur punktförmige Wirkung; ihr letzter Vertreter im 8. Jahrhundert war Bischof Virgil von Salzburg.

Neue Wirkungsstätten wurden um 700 Klosterbischöfen aus dem fränkischen Bereich vom bairischen Herzog zugewiesen: Emmeram aus dem südwestlichen Gallien wirkte in Regensburg, Corbinian aus dem gallofränkischen Seinegebiet in Freising, Rupert aus der Gegend um Worms in Salzburg. Letzterer traf auf einen Grundstock christlicher Bevölkerung, das Kloster St. Peter in Salzburg besaß noch eine iroschottische Mönchsgemeinschaft. Noch im 8. Jahrhundert wurden von Salzburg aus die Maximilianzelle in Bischofshofen und 731 ein Bistum in Passau gegründet, dessen erster Bischof Vivilo hieß. Diesen Bischöfen und ihren Helfern gelang die weitgehende Christianisierung der Baiern.

Als dritter Faktor der Christianisierung wirkte die angelsächsische Mission, deren Hauptvertreter Bonifatius 739 die bairische Kirche auf päpstliche Weisung und mit Zustimmung des Baiernherzogs ordnete und das Stammesgebiet in 4 Bistümer gliederte, die künftig auch die kirchliche Struktur Österreichs bestimmten. Das iroschottische Gepräge verschwand, obwohl es Virgil in Salzburg erhalten wollte. Die weiteren Fortschritte der Christianisierung waren an den Aufstieg des karolingischen Reichs gebunden. Dieses garantierte den Bestand des Christentums sowie Neugründungen und den Ausbau der kirchlichen Einrichtungen (Erzbistum Salzburg 798).

Von den Bistümern wurde die Mission in die slawischen Gebiete getragen. Bischof Virgil von Salzburg († 784) baute bis 774 eine ansehnliche Kirche an der Stelle des jetzigen Doms und begann die Missionierung der Slawen in Karantanien. In Maria Saal errichtete der ihm unterstellte Chorbischof Modestus eine Kirche (geweiht 767). 833 wurde Fürst Priwina im salzburgischen Stützpunkt Traismauer getauft. Durch diese Aktivitäten erwarb Salzburg einen großen Sprengel, der im 11. und 12. Jahrhundert durch die Eigenbistümer Gurk, Seckau und Lavant zusätzlich erweitert wurde.

Passau wurde die Missionierung des Donautals übertragen, die im 9. Jahrhundert große Fortschritte machte und auch die Slawen in Mähren einbezog. In der Karolingischen Mark wurden Klöster (St. Florian, St. Pölten) gegründet und Kirchen errichtet, aber noch keine Pfarrorganisation geschaffen. In der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts entstand durch die Slawenbischöfe Kyrill und Method eine Konkurrenz, gegen die sich die bairischen Bischöfe zur Wehr setzten und auf ihre eigene Missionserfolge verwiesen.

Die Christianisierung der einheimischen Bevölkerung (die Zuwanderer waren durchwegs christlich) erlitt durch den Ungarnvorstoß des 10. Jahrhunderts im östlichen Österreich Rückschläge und wurde erst im ausgehenden 10. Jahrhundert vollendet. Dies beweisen Friedhöfe dieser Zeit, auf denen christliche und heidnische Bewohner nebeneinander begraben wurden. Die Errichtung von Marken um 970 und deren Kolonisation geschah im Zeichen des Christentums, führte zur planmäßigen Errichtung von Pfarren, zur Gründung neuer Klöster und zum Aufbau einer Kultur, die völlig vom Geist des Christentums getragen war.

Frühmittelalter:
Bevor die letzten Römer 488 aus Ufernoricum abzogen, siedelte bereits bei Krems der germanische Stamm der Rugier, deren Reich auf Odoakers Befehl vernichtet wurde. Weiter westlich bildeten sich im 6. Jahrhundert allmählich die germanischen Stämme der Baiern und Alemannen, während im Wiener Raum immer stärker die Auswirkungen der Völkerwanderung spürbar wurden. Nach Attilas Tod 453 kam es zum Kampf germanischer Stämme untereinander. Nachdem die Ostgoten nach Italien abgezogen waren (vor 493), wo sie unter Theoderich ein kurzlebiges Reich mit Einschluß alpiner Gebiete gründeten, hatten ab 509 die Langobarden für einige Jahrzehnte die Herrschaft inne. Sie verbündeten sich zwar anfangs mit dem neu in Pannonien eingedrungenen asiatischen Reitervolk der Awaren, wichen aber schließlich 576 vor diesen nach Italien aus und überließen ihnen die Herrschaft im östlichen Donaugebiet.

Westlich der Enns, in Salzburg und Nordtirol hatten sich die Baiern konsolidiert und die aus römischer Zeit verbliebene Bevölkerung in ihren Stamm aufgenommen. Wie die Alemannen gerieten auch sie allmählich unter fränkische Oberhoheit. Östlich der Enns und in Karantanien behielten die Awaren die Herrschaft über die in das Wald- und Weinviertel sowie in das Alpenvorland und in die Alpentäler einwandernden Süd- und Nordslawen. Die Grenze des Vordringens dieser Slawen ist aus Gewässer- und Ortsnamen erkennbar: Sie breiteten sich bis in das 8. Jahrhundert über ganz Niederösterreich, die Steiermark und Kärnten sowie den Ostteil Oberösterreichs aus. Nur unter Samo konnten sie sich 623-662 von den Awaren lösen, wobei nicht sicher ist, ob sich dessen Slawenstaat auch über Gebiete Österreichs erstreckte. Im 8. Jahrhundert hatten wieder die Awaren die Führung inne; vielleicht verschob sich im ausgehenden 8. Jahrhundert die Grenze zu den Baiern, so dass das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald zeitweise bairisch war. Aufgrund der wenig stabilen Verhältnisse bis in diese Zeit sind davon kaum historische Denkmäler erhalten.

Hingegen kam es vor allem durch den fränkischen Einfluss im bairischen Raum zu einem beträchtlichen kulturellen Aufschwung, der durch das Christentum getragen wurde (Christianisierung). Um 739 missionierte Bonifatius Bayern und machte Salzburg, wo schon ab 696 der heilige Rupert wirkte, zu einem Bistum. Weitere Bischofssitze entstanden in Passau, das sich auf die antike Tradition von Lorch berief, und in Säben-Brixen in Südtirol Im Zuge dessen wurden Klöster gegründet, etwa durch Herzog Tassilo III. 748 Mondsee und 777 Kremsmünster (Tassilokelch und -leuchter erinnern an den Stifter), vor 784 Mattsee (?) und Innichen im Pustertal. Die Epoche fand durch die Absetzung von Tassilo III. durch Karl den Großen 788 und schließlich mit der Niederwerfung der Awaren durch die Franken 791-796 ihren Abschluss; damit war ganz Österreich Teil des Fränkischen Reichs geworden.

Nach der Zerstörung des Awarenreichs wurden Reste dieses Volks im nördlichen Burgenland angesiedelt, und auch slawischen Fürsten wurde der Aufbau regionaler Herrschaftsbereiche ermöglicht. Die Führungspositionen wurden von einer bairisch-fränkischen Adelsschicht eingenommen, die auch die Kolonisation einleitete. Der österreichische Raum wurde in 2 Markgebieten organisiert und von Präfekten verwaltet; darunter bildeten Grafschaften die kleineren Verwaltungseinheiten. Aufgrund der geringen Zahl an Quellen lässt sich darüber wenig Genaueres sagen. Zwar wurden einige Kirchen erbaut, etwa die Martinskirche in Linz, die Ruprechtskirche in Wien oder die Kirche in Karnburg (Kärnten), unklar ist hingegen, ob es eine Pfarrorganisation gab. Auch weitere Klostergründungen fallen in diese Zeit: St. Florian (805), St. Pölten (vielleicht schon zur Zeit Tassilos). Auch die Errichtung von Burgen ist in einigen Fällen belegt.

Ebenso fällt der mächtige Ausbau von Salzburg in diese Zeit: Nachdem Bischof Virgil 767-74 einen großen Dom erbaut hatte, wurde Salzburg unter Arno 798 zum Erzbistum erhoben. Geistliche Stützpunkte waren das Stift St. Peter und das Frauenkloster auf dem Nonnberg. Salzburg bemühte sich vor allem um die Christianisierung der Alpenslawen in Karantanien und gemeinsam mit Passau auch um die der Slawen in Pannonien und in der Slowakei, doch wurden dort nur bescheidene Erfolge erzielt, da die von den Slawenaposteln Kyrill und Method getragene Gegenbewegung starken Rückhalt besaß, in geistlicher Hinsicht beim Papst, in politischer Hinsicht im Großmährischen Reich.

An der Thaya-March-Mündung hatte sich vor der Mitte des 9. Jahrhunderts ein slawisches Herrschaftsgebiet entwickelt, dessen geistig-kulturelle Traditionen auf Byzanz zurückgingen. In dieses Reich wurden bald Randgebiete des bairischen Raums, insbesondere das heutige Weinviertel, einbezogen. Die letzten Jahrzehnte des 9. Jahrhunderts standen im Zeichen von Kämpfen der regionalen Machthaber (aber auch ostfränkischer Könige) mit den Herrschern dieses Mährischen Reichs, unter denen Swatopluk (870-94) hervorragte. Der ostfränkische König Ludwig der Deutsche verbündete sich 864 sogar mit dem Khan der Bulgaren gegen die Mährer. Sein Enkel Arnulf, Herzog von Kärnten, wurde 887 zum ostfränkischen König erhoben (ab 896 Kaiser), aber auch er konnte die Grenze nicht dauernd sichern.

Die zwischen 903 und 905 entstandene Raffelstettener Zollordnung zeigt die Verhältnisse im Grenzbereich am Ausgang des 9. Jahrhunderts. Die östlichste Handelsstation im Donaubereich war Mautern; die Franken und Baiern lieferten vor allem Salz und bezogen aus dem Osten Rinder und Pferde, Lebensmittel, Honig, Wachs und Sklaven.

Ab 881 wurde die Ostgrenze durch ein neues asiatisches Reitervolk, die Magyaren, beunruhigt. Der eigenen Stammessage zufolge ließen sie sich 896 in Pannonien nieder und begannen bald mit Expansionsversuchen nach Westen. 904 zerstörten sie das Großmährische Reich, am 4. 7. 907 unterlag ihnen der bairische Heerbann bei Pressburg. Diese Niederlage markiert das Ende der karolingischen Epoche: Österreich östlich der Enns kam unter ungarische Vorherrschaft, westlich davon herrschten weiterhin die Baiern, die alsbald im entstehenden deutschen Königtum einen Rückhalt fanden. Die Entwicklung von Oberösterreich, Salzburg und Tirol vollzog sich nun im bairischen, die von Vorarlberg im alemannischen Stammesherzogtum.

Ohne größere Zäsur verlief in dieser Zeit die Geschichte von Salzburg. Die nach 800 angelegten Güterverzeichnisse zeigen, dass das Erzbistum die reichste Kirchenprovinz Baierns war. Wie stark das geistige Leben bereits entwickelt war, beweisen die überlieferten Annalen. Salzburg verfügte auch über eine Bibliothek und ein Skriptorium. 845 war der Virgildom abgebrannt, 2 Jahre später auch die Klosterkirche von St. Peter. Beide wurden wieder aufgebaut, 860 erhielt Salzburg überdies eine reiche Schenkung von Gütern in Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten sowie von anschließenden Gebieten in Westungarn. Nach der Katastrophe von 907 bestand das Erzbistum im Rahmen des Herzogtums Baiern weiter. Erzbischof Odalbert II. (923-935) stammte aus dem Adelsgeschlecht der Aribonen, der ab 939 regierende Erzbischof Herold aus der Familie der Liutpoldinger. Er war Erzkapellan Ottos des Großen, wurde in den Konflikt um den Königssohn Liudolf verwickelt und 955 durch Herzog Heinrich von Baiern geblendet. Er habe die Kirchen geplündert, deren Schatz den Ungarn ausgeliefert und habe dem Kaiser die Treue gebrochen, hieß es später in einer Erklärung des Papstes, der auf der Seite Heinrichs stand.

In der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts ging von Ungarn eine ständige Beunruhigung aus. Nachdem die Ungarn 933 in Sachsen abgewiesen worden waren und die deutschen Heere sich allmählich auf ihre Kriegstechnik eingestellt hatten, begann sich eine Entscheidung abzuzeichnen. Einem ungarischen Feldzug nach Westen trat König Otto I. am 10. 8. 955 bei Augsburg mit einem Aufgebot aller Stämme entgegen und errang den Sieg. In den darauf folgenden Tagen wurde das gesamte ungarische Heer vernichtet, der Sage nach sollen nur 7 Ungarn die Heimat wiedergesehen haben. Damit war für Mitteleuropa und insbesonders für den österreichischen Raum die Möglichkeit einer Neuordnung gegeben, die in den folgenden Jahrzehnten geschaffen wurde und zur Entstehung der Länder führte, die das heutige Österreich bilden (Hochmittelalter).

Hochmittelalter (907 bis zirka 1250):
Als Beginn dieser Epoche kann im deutschsprachigen Raum das Aussterben der Karolinger und die Niederlage des bayerischen Heerbanns bei Pressburg am 5. 7. 907 gegen die Ungarn angesehen werden. Das östliche Österreich bis zur Enns und wohl auch Karantanien gehörten ab diesem Zeitpunkt zum Herrschaftsbereich der Magyaren, die im Donautal eine Mark errichteten, in der vielleicht Rüdiger von Bechelaren eine Rolle spielte. Kontakte zwischen den beiden entgegengesetzten Mächten gab es weiterhin, so ertrank 928 ein Bischof von Freising bei Grein, als er Besitzungen im östlichen Österreich aufsuchen wollte. In Bayern wurde Berthold, der Sohn des gefallenen Markgrafen Liutpold, zum Herzog ausgerufen, auch westlich der Enns konnten sich bayerische Adelsgeschlechter entfalten, die später in Kärnten, Steiermark und Niederösterreich eine Rolle spielen sollten. Die Kontinuität wurde in Salzburg gewahrt, wo der Erzbischof noch bis 987 gleichzeitig Abt von St. Peter war. 952 wurde das langobardische Herzogtum Friaul Bayern angegliedert.

Der Sieg Ottos des Großen über die Magyaren bei Augsburg am 10. 8. 955 veränderte die politische Situation grundlegend. Aufgrund der Schwäche Bayerns wegen der Minderjährigkeit von Herzog Heinrich (bis 967) sowie dessen Aufstand gegen Kaiser Otto II. 976 wurden die Auswirkungen des Siegs von 955 erst verspätet im österreichischen Raum spürbar. Nun wurde Karantanien (Kärnten) mit Friaul von Bayern gelöst und zu einem eigenen Herzogtum, das einige Marken gründete (unter anderem die Mark an der Mur). Die Babenberger erhielten die Mark Ostarrichi an der Donau und bauten hier in der Folge ihre Herrschaft aus.

Das 11. Jahrhundert stand im Zeichen der Erschließung und Kolonisierung des Raums, wobei in Bayern ansässige Geschlechter auch in den österreichischen Gebieten Fuß fassten. Auch kirchliche Institutionen wie die Bischöfe von Salzburg, Passau, Regensburg und Freising (später auch Bamberg) sowie mehrere Klöster erweiterten ihren Besitz beträchtlich. Salzburg blieb weiterhin kirchliches Zentrum. Um das Jahr 1000 wurde der schon bestehende Dom auf eine Länge von 75 m erweitert. Weiters kamen das Geschlecht der Wels-Lambacher und nach diesen die Burggrafen von Steyr (Traungauer) in die Steiermark. Sie kolonisierten und regierten das Land bis 1192. Nur in Kärnten fand ein rascher Wechsel der Herzöge statt. Die besonders günstige Entwicklung des Gebiets von Steiermark und Kärnten zeigte sich an den im Vergleich zum Donauraum früheren Klostergründungen: Göss bei Leoben um 1000, St. Georgen am Längsee und Ossiach 1020, Gurk 1043 (ab1072 Bistum), Millstatt 1070-80.

Im gesamten Raum erhielten im 11. Jahrhundert fast alle noch bestehenden Orte ihren Platz, Burgen wurden gegründet, die Grundherrschaften konnten sich entfalten, der eingewanderte Adel löste sich allmählich von den bayerischen Herkunftsorten. Im ausgehenden 10. Jahrhundert war das Volk noch halb heidnisch, halb christlich gewesen, nun wurde die Christianisierung und auch die Eindeutschung des Großteils des heutigen Österreichs vollzogen, wie die Ortsnamen und Bodenfunde aus dieser Zeit beweisen.

Eine wesentliche Zäsur bildete ab 1075 der Investiturstreit, in dem es zu einer Spaltung der kirchlichen und weltlichen Machthaber in Anhänger des Papstes bzw. des Kaisers kam. In Kärnten blieben die Eppensteiner kaisertreu, die Sponheimer waren päpstlich gesinnt, in der Steiermark wechselte Markgraf Otakar II. um 1081 die Partei und unterstützte fortan den Papst, in Österreich schloss sich Markgraf Leopold II. gleichzeitig ebenfalls dem Gegenkönig an, wurde deshalb von Böhmen mit Krieg überzogen und unterlag 1082 bei Mailberg. In dieser Phase entstand mit den Ministerialen ein neuer, von den Landesherren abhängiger Adel; auch entlegenere Gebiete wie die Oststeiermark und das niederösterreichische Waldviertel wurden nun kolonisiert. Erzbischof Gebhard von Salzburg (1060-88) setzte in seiner Diözese die kirchlichen Ansprüche auf die Leistung des Zehents durch und errichtete im Streit gegen kaiserlich gesinnte Hochadelsgeschlechter die gewaltigen Burgen Hohensalzburg, Hohenwerfen und Friesach. Bischof Altmann von Passau stand ebenfalls auf der päpstlichen Seite. In wichtigen Klöstern wie St. Florian, St. Pölten und Kremsmünster wurde die Klosterreform durchgeführt, Melk wurde den Benediktinern übergeben. Neugründungen erfolgten in Admont 1074, Garsten um 1080, Göttweig vor 1083, St. Lambrecht 1096-1103 und Mehrerau um 1097.

Die Mark Österreich errang zu Beginn des 12. Jahrhunderts durch die Heirat Leopolds III. mit der Kaisertochter Agnes eine Vorrangstellung gegenüber anderen Gebieten. Unter anderem kommt dies in der großen Zahl von neuen Klostergründungen zum Ausdruck: Klosterneuburg 1108, Kleinmariazell 1136, Seitenstetten 1112/16, Heiligenkreuz 1133, Zwettl 1138, Altenburg 1144, Geras um 1153/55, Baumgartenberg 1141, Schotten in Wien 1155; in Kärnten wurden Arnoldstein 1107, Eberndorf 1147/49 und Viktring 1143 gegründet, in der Steiermark Seckau 1140 und Rein 1128, im damals noch bayerischen Innviertel Reichersberg 1122, Ranshofen 1125 und Suben 1142. In Tirol wurde um 1140 Innichen von einem Benediktinerkloster in ein Kollegiatsstift, Wilten 1130 aus einem Kollegiatsstift in ein Prämonstratenserkloster umgewandelt, St. Georgen wurde 1138 von den Benediktinern übernommen. Neu gegründet wurden Neustift bei Brixen, Sonnenburg im Pustertal, Au bei Bozen und St. Michael an der Etsch.

An der Donau und im Alpenvorland stiegen Wien, Tulln, Krems, Stein, St. Pölten und Neuburg in den Rang von Städten auf; auch die Anfänge eines Landrechts sind erkennbar. In der Steiermark war die Regierungszeit von Markgraf Leopold I. dem Starken (1122-29), die man die eigentliche Geburtsstunde der Steiermark nennt, ein Gegenstück zum Wirken Leopolds III. in Österreich. Er konnte das reiche Erbe der Eppensteiner erwerben und die Steiermark von Kärnten trennen. Bindungen an Bayern bestanden aber weiter. 1147 fiel die Mark an der Drau, die bis an die Save reichte und das heutige östliche Slowenien umfasste, an den Markgrafen der Steiermark.

In Kärnten, wo 1090 Istrien einem eigenen Markgrafen übertragen worden war und 1093 auch die Mark Krain an Aquileia zurückfiel, starben 1122 die Eppensteiner aus. Nun mussten sich die Sponheimer als neues Herzogsgeschlecht durchsetzen. Ihre Position blieb gegenüber auswärtigen Mächten wie den Patriarchen von Aquileia sowie die Bischöfe von Brixen, Freising und Bamberg, die in Kärnten über großen Einfluss verfügten, schwach. Der Erzbischof von Salzburg besaß in Kärnten besonders große Gebiete und hatte in Gurk einen Suffraganbischof. Er ließ Friesach, das ein Marktrecht erhielt und Münzen prägte, zu seinem Stützpunkt ausbauen. Auf dem Petersberg entstand eine mächtige Burg mit einem gewaltigen Bergfried. Die Fresken der Rupertkapelle gehören zu den bedeutendsten Schöpfungen der Malerei um 1140.

In kultureller Hinsicht zeichnet sich in diesem Abschnitt des Hochmittelalters der Beginn einer Eigenentwicklung ab. In der Gegend von Melk traten die Klausnerin Ava († 1127) und der so genannte Heinrich von Melk hervor. Es entstand ein frühes Marienlied, 1123 wurden die Annalen begonnen. In lateinischer Sprache wurden Heiligenlegenden abgefasst, nach 1147 entstand die Vorauer Kaiserchronik. Der aus Österreich stammende Babenberger Otto, zum Bischof von Freising ernannt, verfasste eine Weltchronik und eine zeitgeschichtliche Darstellung der Frühzeit Friedrich Barbarossas. In der Burg Ranna und in Seckau, wo bis 1164 eine mächtige romanische Basilika erbaut wurde, sind Zeugnisse einer einheimischen Baukunst erhalten.

Die Stauferzeit war für das österreichische Gebiet von besonderer Bedeutung. Die Verwandtschaft der Markgrafen mit dem Kaiser kam voll zum Tragen, Babenberger erhielten wichtige Positionen, schließlich wurde Österreich 1156 zu einem Herzogtum erhoben, 1180 erhielt auch der steirische Markgraf diesen Rang. Erneut spitzte sich der Kampf zwischen Kaiser und Papst in den Kontrahenten Kaiser Friedrich I. und Papst Alexander III. zu, wobei sich der Erzbischof von Salzburg, Eberhard I. (1147-64), ebenso wie der Babenberger Konrad II. (1164-68), der Partei des Papstes anschlossen und dies mit der Verwüstung der Stadt und der Zerstörung des Doms büßen mussten.

Die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde in Österreich durch Heinrich II. (1141-77) und seinen Sohn Leopold V. (1177-94), in der Steiermark durch Otakar III. (1129-64) geprägt, der die Randgebiete des mittleren Murbeckens durch Rodung in seine Markgrafschaft einbezog.

Salzburg hatte in Erzbischof Konrad III. (1177-83) einen der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters. Dieser ließ in seiner kurzen Regierungszeit den Bau eines neuen Doms, einer Kreuzturmbasilika mit 5-schiffigem Langhaus, einem östlich gelegenen Querschiff und einem 8-eckigen Vierungsturm beginnen. Es war dies der größte romanische Kirchenbau des Reichs, der nur mit burgundischen Bauwerken der Zeit vergleichbar ist. Weiters errichtete Konrad die Bürgerstadt mit der Getreidegasse als Zentrum.

Auch in anderen Gegenden entstanden in diesen Jahrzehnten eindrucksvolle Bauten der Romanik, so in Tulln, Mödling, Zwettl, Heiligenkreuz, Klosterneuburg, bei den Schotten in Wien, in Admont, Pürgg und Gurk. Bewegliche Kunstwerke wurden noch importiert. Das bedeutendste davon ist jene Verkleidung eines Ambo der Stiftskirche von Klosterneuburg, die jetzt als Verduner Altar bekannt ist, andere Objekte kamen aus Sizilien.

Im ausgehenden 12. Jahrhundert legte man auch im Grenzbereich von Österreich und der Steiermark eine Anzahl von befestigten Burgstädten an. Die älteren davon besitzen meist einen Dreiecksplatz, im 13. Jahrhundert wurde dann der Rechteckplatz bevorzugt. Ebenso entstanden mächtige Höhenburgen, deren Kapellen mit Fresken geschmückt waren (zum Beispiel Ottenstein).

Um 1180 kam es zu einer neuerlichen politischen Umgestaltung: Der Sturz des Welfen und Bayernherzogs Heinrich des Löwen führte zu einer weiteren Teilung Bayerns, die Steiermark wurde zum Herzogtum und löste sich damit von Bayern.

Nachdem 1192 Österreich und die Steiermark als Folge der Georgenberger Handfeste unter den Babenbergern vereinigt worden waren, entwickelte sich ein neuer Machtbereich, der in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Gegenden nördlich der Donau über das Murtal und Slowenien bis nach Friaul (Pordenone) und nahe an die Adria reichte. Zur Zeit Herzog Leopolds VI. (1194/98-1230) entstanden wie in ganz Mitteleuropa auch im österreichischen Raum neue Städte, nicht nur Burgstädte im Grenzbereich (Freistadt, Zwettl, Waidhofen an der Thaya, Eggenburg, Laa, Bruck an der Leitha, Friedberg), sondern auch westlich der Enns Linz, Enns, Steyr, Wels und Eferding. Leopold VI. wurde zum Schiedsrichter zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papst in Apulien, wo er 1230 in San Germano starb. Auch Kärnten verfügte mit Herzog Bernhard (1202-1256) über einen außergewöhnlich tatkräftigen Fürsten. Villach, St. Veit, Klagenfurt, Wolfsberg und Völkermarkt wurden zu Städten, wenn auch unter verschiedenen Stadtherren. Ebenso entstanden in den westlichen Gebieten, in Tirol und Vorarlberg, städtische Siedlungen, wie Innsbruck, Bozen, Bludenz, Feldkirch und Bregenz. Eine Reihe anderer Städte, wie Waidhofen an der Ybbs, Hainburg, Tulln, St. Pölten, vor allem aber Wien, wurden planmäßig erweitert. Diese Städte waren wirtschaftliche Zentren und Gerichtsstätten, weiters erhielten sie bescheidene Gemeinschaftseinrichtungen. Das noch wenig entwickelte Wohlfahrtswesen lag in den Händen der Kirche. Neue Klöster wurden vorwiegend in Städten gegründet. Die einfachen Wohnbauten der Bevölkerung bestanden weitgehend aus Holz, seit etwa 1200 wurden in Städten auch Gebäude aus Stein errichtet. Im Sakral- und Burgenbau kam der Einfluss der Kreuzzüge zur Geltung, aus dem Orient stammende Typen wurden in bescheidenem Maß nachgeahmt, vorherrschend blieb aber der Typus der staufischen Ministerialenburg. Von den bedeutenden kirchlichen Bauten ist vor allem die Kirche von Schöngrabern bemerkenswert. Am Bau von Stift Lilienfeld ist die Entwicklung von der Romanik zur Frühgotik erkennbar. Im Bereich der Dichtkunst erlebte um die Wende zum 13. Jahrhundert der Minnesang einen Höhepunkt, später gewann gegenüber dem Minnesang das große Heldenepos (Nibelungenlied und Kudrun) die Oberhand.

Zur Zeit Herzog Leopolds VI. wurde das österreichische Landrecht aufgezeichnet; die Abkoppelung von Bayern und die eigene Landwerdung kommt damit zum Ausdruck.

Als die Grafen von Peilstein, bisher Vögte des Erzbistums Salzburg, 1218 ausstarben, erklärte Erzbischof Eberhard II. (1200-1246) die Vogtei für erloschen und baute die Landeshoheit aus, in die auch der Lungau einbezogen wurde. Die in anderen Herzogtümern liegenden Besitzungen mussten sich aber dem jeweiligen Landesherrn unterstellen. In Salzburg blühte der Bergbau auf, besonders die Gewinnung von Salz bei Hallein, von Kupfer bei Mühlbach und Gold bei Rauris. Der Erzbischof gründete 3 neue Suffraganbistümer.

Ein umgekehrter Prozess vollzog sich in Tirol: Hier teilten sich die als Vögte der Bistümer Trient und Brixen aufgestiegenen 3 Herrengeschlechter die Macht. Als die Grafen von Eppan ausgestorben sowie die Andechs-Meranier gestürzt worden waren und 1248 ebenfalls ausstarben, konzentrierten sich alle Funktionen in Graf Albert von Tirol (1248-53). Nach dessen Tod teilten sich seine beiden Schwiegersöhne die Macht, doch ging Meinhard III. von Görz (1253-58) als Sieger hervor, während die Hirschberger bald ausgeschaltet wurden. Auch die Landwerdung von Tirol kam in diesem Jahrhundert zum Abschluss.

Das Ende des Hochmittelalters markieren die gewichtigen politische Veränderungen aller österreichischen Länder um 1250. Gleichzeitig wurde in der Kunst die Romanik von der Gotik abgelöst.

Spätmittelalter:
Die Periode von etwa 1250 bis 1522 bildet in Österreich sowohl historisch durch die ältere Linie der Habsburger als auch kunstgeschichtlich durch die Gotik eine Einheit. Am Anfang standen allerdings die Bemühungen des Böhmenkönigs Premysl Ottokar II., den Donauraum zu einigen und ein Reich von der Oder bis zur Adria aufzubauen. Er gewann die babenbergischen Länder, beerbte die Sponheimer in Kärnten (Podiebrader Vermächtnis 1268), erhielt Einfluss in Salzburg und konnte anfangs auch die Zuneigung der Österreicher gewinnen. Nur in Tirol entstand mit den Meinhardinern aus dem Geschlecht der Görzer Grafen ein Gegenpol, der auch wirksam wurde, als der 1273 zum deutschen König gewählte Rudolf von Habsburg die babenbergischen Länder für das Reich zurückforderte. Nach einem 1. Feldzug unterwarf sich Ottokar 1276, musste aber 2 Jahre später niedergerungen werden und fiel in der Entscheidungsschlacht zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen am 26. 8. 1278. Unter seiner Herrschaft wurden die Städte Marchegg, Bruck an der Mur und Leoben gegründet.

Rudolf von Habsburg belehnte 1282 seine Söhne mit den babenbergischen Ländern (ab 1283 nur Albrecht I.), während Graf Meinhard von Tirol Kärnten und Krain erhielt.

Die Durchsetzung des ersten Habsburgers aus der Westschweiz, der von dort seine Vertrauten mitbrachte und sich mit Härte durchsetzen wollte, stieß auf den Widerstand der Österreicher. Albrecht kämpfte aber auch gegen den Erzbischof von Salzburg wegen der Salzgewinnung, wollte Güter in Ungarn erwerben und wurde schließlich durch das Königtum gebunden. Seine Söhne konnten die Herrschaft in Österreich aufbauen, hatten aber sonst kein Glück. Rudolf III., der auch König von Böhmen wurde, starb schon 1307, Friedrich III. unterlag im Kampf um die deutsche Königskrone Ludwig dem Bayern, und Heinrich musste 1315 am Morgarten eine schwere Niederlage gegen die Schweizer hinnehmen. Erst Albrecht II. konnte trotz seiner Körperbehinderung durch eine kluge Politik nicht nur die Herrschaft in den österreichischen Ländern festigen, sondern 1335 auch Kärnten gewinnen. Dort ließ sich Otto, der auch das Kloster Neuberg in der Steiermark gründete, nach altem Brauch auf dem Zollfeld zum Herzog einsetzen. Weiters wurden in dieser Zeit die Kartausen Mauerbach und Gaming in Niederösterreich gegründet. Die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde von schweren Naturkatastrophen (Erdbeben 1348) und einer Pestepidemie überschattet, Wien wurde als Hauptstadt gefestigt. Albrechts Sohn Rudolf IV. (1358-65) baute die Stadt durch die Gründung der Universität und den Neubau des Stephansdoms aus. Er versuchte, Wien zum Bischofssitz zu machen und dem Land durch gefälschte Privilegien größeres Ansehen zu verleihen. Zwar verweigerte Kaiser Karl IV. die Anerkennung der Fälschungen, als aber im 15. Jahrhundert der Habsburger Friedrich III. die Kaiserwürde erlangte, bestätigte sie dieser und begründete damit den Titel "Erzherzog" für die Mitglieder der Familie.

Da sich in Tirol die Meinhardiner während der Regierungszeit von Margarete Maultasch in Rivalitäten zwischen den Wittelsbachern aus Bayern und den Luxemburgern in Böhmen verzettelten, konnte Rudolf IV. schließlich 1363 auch das Land Tirol gewinnen, und seine Länder erreichten annähernd den Umfang der jetzigen Republik Österreich. Wenige Jahre später begannen die Habsburger Herrschaften westlich des Arlbergs zu kaufen. Durch die Erwerbung von Triest konnten sie an der Adria Fuß fassen.

Zu dieser Zeit standen sie jedoch bereits unter dem Eindruck der 1379 vollzogenen Teilung zwischen den Herzögen Albrecht III. und Leopold III., die 100 Jahre anhielt. Die albertinische Linie besaß die donauösterreichischen Gebiete, die leopoldinische Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain sowie Tirol und die Vorlande bis zum Rhein). Dort gingen zwar laufend Besitzungen an die Eidgenossen verloren, Leopold III. fiel 1386 bei Sempach, 1388 erlitten die Habsburger bei Näfels eine weitere Niederlage; durch die Erwerbung des Breisgaus mit der Stadt Freiburg konnten diese Verluste aber kompensiert werden.

Die Lage an der Donau machte vor allem Wien zum Handelszentrum, die Straßen über das Gebirge nach Süden wurden ausgebaut, die Eisengewinnung am Erzberg und in Kärnten nahm beträchtlichen Umfang an. Aber auch die Bautätigkeit war beachtlich, wie viele Zeugnisse der frühen Gotik beweisen. Weiters entstanden auf den Gebieten Malerei und Dichtung bedeutende Werke.

Herzog Albrecht III. aus der albertinischen Linie war ein wichtiger Förderer der Künste, er gründete das Schloss Laxenburg und veranlasste die Herstellung der "Chronik von den 95 Herrschaften" durch Leopold Stainreuter.

Der Anfang des 15. Jahrhunderts war von Konflikten zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Linien der Habsburger geprägt. Dadurch erhielten die Stände als Vertreter des Volks größeren Einfluss und versammelten sich auf Landtagen, um den Fürsten "zu raten und zu helfen". Kaum hatte Albrecht V. nach 1411 die herrschende Rechtsunsicherheit überwunden, musste er Österreich gegen die Hussiten verteidigen, die mehrmals aus Böhmen und Mähren in die nördlichen Landstriche eindrangen. Dieser Habsburger war mit Elisabeth, der Tochter des Luxemburger Kaiser Siegmund, König von Böhmen und Ungarn, verheiratet und wurde nach dessen Tod 1437 nicht nur böhmischer und ungarischer, sondern auch deutscher König. Er starb bereits 1439, als sein Sohn Ladislaus noch nicht geboren war. Für diesen führte Friedrich III. (ab 1440 König und ab 1452 Kaiser) aus der steirischen Linie die Vormundschaft und wollte sie gegen die unterdessen zu Macht gelangten Stände (Hochadel, Ritter, Prälaten und Städte) behalten. Die Stände erzwangen jedoch die Auslieferung des jungen Prinzen und verbündeten sich mit den nationalen Führern in Ungarn und Böhmen. Als Ladislaus Postumus 1457 sehr jung verstarb, wurde Matthias Corvinus König von Ungarn, in Böhmen errang Georg von Podiebrad die Krone.

In Tirol hatte Herzog Friedrich IV. Mühe, sich im Lande zu halten, als er sich beim Konstanzer Konzil zu sehr exponierte. Er musste sich aber auch gegen den einheimischen Adel durchsetzen. Sein Sohn Sigmund konnte aufgrund der Silbervorkommen im Inntal zahlreiche Bauwerke errichten lassen (zum Beispiel Schloss Ambras, Kirche von Schwaz). In der Steiermark und in Kärnten herrschte Ernst, der später "der Eiserne" genannt wurde und eine beträchtliche Aktivität entfaltete, nach ihm sein Sohn Friedrich III. (AEIOU), der vorwiegend in Wiener Neustadt residierte, aber auch die Burg von Graz ausbaute.

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die Länder Steiermark und Kärnten bereits mehrmals von den nach Norden vordringenden Türken bedroht, zur Abwehr wurden Burgen und Stadtmauern stärker ausgebaut und in den Dörfern Kirchen befestigt. Die Bauern fühlten sich aber im Stich gelassen und erhoben sich mehrmals gegen die Herrschaften. Kaiser Friedrich III. bemühte sich zwar um eine bessere Verständigung mit den österreichischen Ständen, aufgrund seines eigenen Wesens und der Aktivitäten von Matthias Corvinus blieb der Erfolg aus. 1477 fiel Matthias Corvinus erstmals in Österreich ein und besetzte nach 1482 einen erheblichen Teil des Landes. Er schlug in Wien seine Residenz auf, wo er 1490 plötzlich starb.

Eine Ursache des Eingreifens von Matthias Corvinus war die Situation im Erzbistum Salzburg und im Bistum Passau. Dort stammten die Erzbischöfe und Bischöfe seit dem 14. Jahrhundert meist aus Adelsfamilien der Nachbarländer, des Öfteren gab es Rivalitäten zwischen österreichischen oder bayerischen Kandidaten oder Doppelwahlen. Am Beginn des 15. Jahrhunderts gründeten die Ritter und Bürger von Salzburg den "Igelbund" und bildeten Stände; in der 2. Hälfte des Jahrhunderts litten die Erzbischöfe unter starker Geldnot. Als Friedrich III. den zu ihm geflohenen Erzbischof von Gran als neuen Kirchenfürsten von Salzburg durchsetzte, wurde der Konflikt mit dem Ungarnkönig angeheizt, der auch passauische Güter in Österreich als Pfand erhielt.

Im Gegensatz zu Matthias Corvinus, an dessen Hof sich bereits die Renaissance entfaltete, dominierte am habsburgischen Hof und in den österreichischen Ländern die Gotik. Diese reichte mit der so genannten Donauschule sogar noch bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts hinein. Mehrere kunstvolle Flügelaltäre entstanden, Kirchen und Stadthäuser wurden monumentaler und größer gebaut als zuvor. Die Burgen von Wiener Neustadt, Graz und Linz sind Zeugnisse der Bautätigkeit des Kaisers, während in Salzburg Leonhard von Keutschach Hohensalzburg ausgestalten ließ.

Die wirtschaftliche Situation hatte sich in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wesentlich gebessert. In einigen Gegenden lebte der Handel auf, es entstanden größere Werkstätten zur Eisenverarbeitung (frühkapitalistische Betriebsformen), Salz wurde in Tirol, in der Steiermark und in Salzburg bei Hallein gewonnen, in den Tälern der Tauern in Salzburg und Kärnten brachte der Goldbergbau beachtliche Erträge, in Oberzeiring (Steiermark) und Schwaz (Tirol) wurde Silber gewonnen, eine Organisation zur Versorgung der Bergknappen des Eisenerzer Gebiets wurde geschaffen.

Durch die Vermählung seines Sohnes Maximilian mit Maria von Burgund legte Kaiser Friedrich III. den Grundstein zur Weltbedeutung des Hauses Habsburg. Die wichtigsten Residenzstädte von Maximilian I. waren Augsburg und Innsbruck; er war ein Förderer der Künste, durchaus im Geist der Renaissance, aber eben als deutscher Fürst, und sehr auf die Tradition seiner Familie bedacht. Zu diesem Zweck beschäftigte er Wissenschaftler und Künstler und ließ für seinen Nachruhm eine prunkvolle Grabanlage (Maximiliansgrab) anfertigen, die ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehen war, dann aber in Innsbruck aufgestellt wurde. In der Zeit Maximilians I. (1519 in Wels verstorben) endete in Österreich die Epoche des Mittelalters. Die neuen Entwicklungen waren in vollem Gang: Amerika war wiederentdeckt, der Siegeszug des Humanismus im Lauf, die deutsche Reformation in ihren Anfängen und das immer stärker werdende Vordringen der Osmanen auf dem Balkan und gegen Ungarn kündigte sich an.

Reformation:
Seit 1690 ist "Reformation" die Bezeichnung für die durch Martin Luther 1517 ausgelöste kirchliche Erneuerungsbewegung, die gegenüber mittelalterlichen Reformbestrebungen dadurch gekennzeichnet ist, dass sie nicht auf strukturelle Veränderungen, sondern auf religiöse Neubesinnung zielte. Folgen waren Spannungen, Kirchenspaltungen und Ausbildung getrennter Konfessionen. Die katholische Erneuerung und die Gegenreformation versuchten die Ausbreitung der reformatorischen Bewegung zu behindern. Im Reich markierte der Westfälische Friede den Endpunkt des Glaubenskriegs zwischen Katholiken und Anhängern der Reformation.

In die habsburgischen Länder drangen reformatorische Gedanken rasch ein und stießen auf breite Unterstützung. Der Landesfürst regierte zunächst eine protestantische Bevölkerungsmehrheit, versuchte jedoch, die konfessionelle Einheit im Sinne der bisherigen kirchlichen Ordnung wiederherzustellen. Dieser Grundsatz und die regionalen Verschiedenheiten lassen die Geschichte der Reformation in den österreichischen Ländern vielfältig und weithin als Auseinandersetzung erscheinen; dabei war die Verbindung der religiösen Momente mit politischen Anliegen und der Stellung des Hauses Österreich wichtig.

Die Ursachen für das rasche Ausbreiten der reformatorischen Ideen waren religiöser Natur, lagen aber auch in einer um 1500 zunehmenden Verinnerlichung, die am kirchlichen System Anstoß nahm. Dazu kamen soziale Gründe und Freiheitsideen, die - als korporatives Recht auf religiöser Grundlage verstanden - von den Bauern als revolutionäre Bewegung getragen (Bauernkriege) und von den (adeligen) Ständen als Teil ihrer politischen Verantwortung in den Ländern vertreten wurden.

Die Ausformung der landständischen Verfassung, die in dem sich bildenden Flächenstaat, der militärisch bedroht wurde (Türken), vor sich ging, bot den politischen Rahmen für die Durchsetzung der Reformation, aber auch für ihre Überwindung. Auf eine 1. Phase der freien Bewegung, die Ferdinand I. ab 1524 durch drakonische Strafandrohungen zu beherrschen suchte, folgte (bis gegen 1550) die Erschöpfung des bestehenden kirchlichen Systems. Dabei waren auch wirtschaftliche Gründe (Erschöpfung der Stiftungen, Priestermangel, Lebensstandard) von Bedeutung. Die reformatorische Bewegung war dem herkömmlichen kirchlichen System überlegen, so dass es gegen 1550 in allen habsburgischen Ländern mit Ausnahme Tirols zur Einrichtung eines reformatorischen Kirchenwesens kam. Von besonderer Wichtigkeit waren dabei auch die aus dem Mittelalter stammenden laikalen Einflussmöglichkeiten (Patronatsrecht).

Gegen 1570 war ein erheblicher Teil des niederen Kirchenwesens protestantisch pastoriert, und die Stände verlangten die Duldung ihres evangelischen Bekenntnisses. 1568 und 1571 (für die beiden Donauländer) sowie 1572 und 1578 (für die Steiermark, Kärnten, Krain) erteilten Maximilian II. bzw. Karl II. Privilegien, die die Leitung der entstehenden evangelischen Landeskirchen ohne endgültige Regelung des konfessionellen Miteinanders den Ständen überließen. Während die Stände begannen, ihr Kirchenwesen zu ordnen (Gottesdienstordnungen, "Landschaftsschulen" in Graz, Linz und Klagenfurt, Kirchenvisitation in Niederösterreich, Bau von Kirchen, etwa in Klagenfurt, Loosdorf, Horn), setzte bereits die Gegenreformation ein.

Innerprotestantisch kam es zu Richtungskämpfen, die aus einer unterschiedlichen Aufnahme der reformatorischen Grundeinsichten resultierten. Diese Kämpfe ("flacianischer Streit") und die Überzeugung des theologischen Vorrangs des Gehorsams gegenüber dem Landesfürsten vor der Schutzpflicht gegenüber den Untertanen und der eigenen Religionsfreiheit beeinträchtigte die Position der evangelischen Parteien gegenüber dem sich neu formierenden Katholizismus.

Trotz eines reichen kirchlichen Lebens und langsam aufgebauter konfessioneller Positionen in der Bevölkerung gelang es, den Protestantismus zu erschüttern. In Innerösterreich wurde schon bald (1587) das reformatorische Kirchenwesen in Krain beseitigt, denn trotz der Bemühungen um die slawischen Sprachen (Übersetzung von Bibel und Katechismus) war es nicht gelungen, die slowenischen und kroatischen Untertanen nachhaltig evangelisch zu überzeugen. In Kärnten und der Steiermark wurden die evangelischen Prediger und Schulmeister 1585 aus landesfürstlichen Städten vertrieben; die "Feldzüge" der Gegenreformation 1599/1600 beseitigten das organisierte evangelische Kirchenwesen. Daran schlossen sich die Bemühungen um die Bekehrung der Bewohner an, wobei die 1628 erfolgte Ausweisung des evangelischen Adels den Abschluss bildete. Viele blieben heimlich evangelisch oder hatten schon vorher, zum Teil nach einer Scheinbekehrung, das Land verlassen.

In den Donauländern gab es aufgrund des "Bruderzwists in Habsburg" eine gewisse Hemmung der Gegenreformation. Als sich Matthias weigerte, religiöse Zugeständnisse einzulösen, kam es 1608 zum Bündnis von 166 evangelischen Adeligen in Horn, zur Verweigerung der Erbhuldigung und Androhung von Gegenwehr. Daraufhin gewährte Matthias 1609 ein neues Privileg ("Kapitulationsresolution"), das den Evangelischen eine Sicherung ihrer Position versprach, aber nur wenig am Vordringen katholischen Geistes änderte. Immerhin kam es in Oberösterreich zu einer Spätblüte des Protestantismus auch auf dem Gebiet der Wissenschaft und Kultur. Die theologischen Streitigkeiten waren überwunden, gute Prediger prägten das Luthertum.

Der Regierungsantritt Ferdinands II. änderte die Situation grundlegend: eine Erneuerung der ständischen Taktik von 1608 schlug fehl, in den folgenden Auseinandersetzungen gewann Ferdinand II. mit bayerischer Hilfe (Verpfändung Oberösterreichs) die Oberhand, und die Schlacht am Weißen Berg (1620) machte die Sache der Protestanten aussichtslos. Ächtungen, Zuführung von Patronatsrechten an Katholiken, Erhebung von Katholiken in den Adelsstand, Konversionen und zahlreiche Zwangsmaßnahmen folgten. Ein religiös-politischer Bauernaufstand in Oberösterreich wurde 1626 niedergeschlagen, die Ausweisung aller Prediger und Schulmeister verfügt. Im Westfälischen Frieden erlangten lediglich die landständischen Adeligen Niederösterreichs die persönliche Religionsfreiheit.

Gegenreformation
Die meist mit staatlichen Machtmitteln und mit Hilfe der neuen Orden durchgeführte Aktion, das Land nach der Reformation zum katholischen Glauben zurückzuführen. Das Konzil von Trient (1545-63) hatte die lehrmäßige Grundlage für eine katholische Restauration und neue Wege der Seelsorge geschaffen. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 übertrug dem Landesherrn die Entscheidung über das Bekenntnis seiner Untertanen. Die Habsburger selbst standen dem Protestantismus ablehnend gegenüber, doch mussten sie den meist protestantischen Ständen aufgrund der Türkenbedrohung wiederholt Zugeständnisse machen. Sie beorderten zunächst katholische Geistliche aus ihren katholisch gebliebenen Ländern vor allem in die Städte und Märkte, die zum "Kammergut" gehörten, insbesonders die von Ferdinand I. nach Österreich berufenen Jesuiten; diese gründeten Klöster und öffentliche Schulen (Kollegien), so in Wien (1551, 1563), Innsbruck (1562), Graz (1573), Hall in Tirol (1573), Leoben (1585), Linz (1602), Klagenfurt (1605), Krems (1615), Judenburg (1620) und Steyr (1631). Den Jesuiten folgten Kapuziner, Franziskaner, Paulaner, Serviten und andere. 1548 hatte Ferdinand I. († 1564) für seine Länder eine Reformationsordnung auf katholischer Basis erlassen. 1567 begann in Tirol die politische Gegenreformation. Auf der Münchener Konferenz 1579 beschlossen Karl von Innerösterreich, Ferdinand von Tirol und Wilhelm von Bayern die schrittweise Zurückdrängung des Protestantismus in ihren Ländern. 1576 veranlasste Kaiser Rudolf II. die ersten gegenreformatorischen Maßnahmen in Wien und Niederösterreich, die Erzherzog Ernst als Statthalter durchzuführen hatte. 1589 übernahm der spätere Kardinal M. Klesl die 1578 errichtete Staatsbehörde der Reformationskommission. Der Streit unter den habsburgischen Brüdern hemmte die Gegenreformation in Niederösterreich und Oberösterreich. In Oberösterreich versuchte Landeshauptmann H. J. Löbl 1598 mit der Niederwerfung des lutherischen Bekenntnisses bzw. des durch Rekatholisierungsversuche ausgelösten Bauernaufstands 1594-97 die Wiederherstellung des katholischen Glaubens; 1601/02 unterwarf er die lutherische Bergknappen und Bauern des Salzkammerguts.

Entscheidend für das Schicksal auch des österreichischen Protestantismus war die Schlacht am Weißen Berg bei Prag (1620), durch die die protestantischen Stände das Privileg der Religionskonzession verloren. 1627 folgte die Ausweisung der Prädikanten und Schulmeister in Niederösterreich. In Oberösterreich, das 1620-28 unter bayerischer Pfandherrschaft stand, führte der Statthalter A. Herberstorff die Gegenreformation mit besonderer Härte durch, wobei das so genannte Frankenburger Würfelspiel den großen Bauernkrieg von 1625/26 auslöste (Bauernkriege). Auch hier erfolgten zahlreiche Ausweisungen. Besonders streng und durchgehend wurde die Gegenreformation in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain) unter Erzherzog Karl II. durchgeführt, wo die 1585 geschaffene Grazer Jesuitenuniversität den geistigen Mittelpunkt bildete. Schon 1580 wurde die protestantische Religionsausübung in inner-österreichischen Städten und Märkten verboten, 1598 die Stiftsschule aufgehoben, 1599 die Protestanten von Ferdinand II. ausgewiesen. 1628 wurde der protestantische Adel in Innerösterreich entweder zum Konfessionswechsel oder zur Auswanderung verpflichtet. Im Erzstift Salzburg begann Erzbischof Michael von Kuenburg (1554-60) mit der Ausweisung protestantischer Bürger und Handwerker. Die Salzburger Provinzialsynode von 1569 wurde richtunggebend für die weitere Rekatholisierung Salzburgs, aber auch der innerösterreichischen Länder. Erzbischof Graf Lodron (1619-53) führte die Gegenreformation im Land Salzburg durch. Die religiöse und seelsorgliche Arbeit gegen den verbliebenen Protestantismus dauerte bis zum Toleranzpatent.

Infolge der Gegenreformation verließen nach Schätzungen rund 100.000 Protestanten Österreich. Der eifrigste Verfechter des katholischen Glaubens war Kaiser Ferdinand II. (1619-37); er beseitigte den Protestantismus in Österreich bis auf einzelne Enklaven. Seine Anstrengungen setzte sein Nachfolger Ferdinand III., wenngleich nicht mehr mit der Härte seines Vaters, fort. Noch im 18. Jahrhundert wurden Maßnahmen gegen Geheimprotestanten, wie Zwangsumsiedlungen nach Ungarn und Siebenbürgen, durchgeführt. Erst das Toleranzpatent Josephs II. (1781) legalisierte auch den Protestantismus in Österreich. Im Zuge der Gegenreformation setzte sich der landesfürstliche Absolutismus gegenüber den Ständen durch und schuf die staatliche Einheit Österreichs, die zur Voraussetzung für die erfolgreiche Abwehr der Türken wurde. Kulturell folgte auf die Gegenreformation die Epoche des österreichischen Barock.

Großmacht der Barockzeit
Die Epoche nach dem Dreißigjährigen Krieg war durch die Schwächung des Kaisertums im Heiligen Römischen Reich und die Stärkung der Landesfürsten gekennzeichnet. Auch für die Habsburger-Kaiser standen in dieser Epoche nicht die Interessen des Reichs im Vordergrund, sondern der äußere Schutz und die innere Konsolidierung der eigenen Erbländer.

Nach wie vor war das Osmanische Reich der mächtigste Nachbar. Vermutlich wegen vielfältiger innerer Probleme hatte es nicht in den 30-jährigen Krieg eingegriffen. Die Bedrohung wurde für Österreich wieder akut, als sich das Osmanische Reich um 1660 Siebenbürgen untertänig machen wollte. 1664 gelang erstmals einem christlichen Heer unter Raimund Graf Montecuccoli ein eindrucksvoller Sieg bei Mogersdorf-St. Gotthard, von dem Kaiser Leopold I. die Möglichkeit ableitete, auch in Ungarn die Gegenreformation durchzuführen. Daraufhin kam es zu Verschwörungen des Adels (Magnatenverschwörung), die vom Kaiserhof durch Hinrichtung führender Männer 1671 unterdrückt wurden. Die Unruhen in Ungarn hielten bis zum großen Türkenkrieg von 1683-99 an (Türkenkriege).

Die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts war in Österreich durch den Abschluss der Gegenreformation geprägt. Alle erkennbaren Reste des Protestantismus wurden beseitigt und viele Menschen zur Auswanderung gezwungen, durch Gründung neuer Wallfahrtsorte wurde der katholische Glaube gefördert und gefestigt. Mariazell wurde zum führenden Wallfahrtsort ausgebaut, neue Wallfahrerzentren entstanden in Niederösterreich in Maria Taferl, auf dem Sonntagberg, bei Gutenstein und in Maria Dreieichen bei Horn, in Oberösterreich auf dem Pöstlingberg bei Linz, in der Steiermark in Pöllau.

Die politische Macht konzentrierte sich bei wenigen Familien, die auch über entsprechende Einnahmen verfügten und so die prunkvollen Barockbauten finanzieren konnten. Auch wirtschaftliche Impulse, wie die Gründung von Fabriken oder die Umformung von Besitzungen in Wirtschaftsherrschaften, gingen vom Adel aus. Manche hatten Erfolg, wie Ferdinand Sigmund Graf Kurz in Horn, andere erlitten Schiffbruch oder wurden in Korruptionsfälle verwickelt wie Georg Ludwig Graf Sinzendorf in Walpersdorf. Im Sinne des Merkantilismus stand die Wirtschaft nun im Zentrum des Interesses. Johann Joachim Becher oder Wilhelm von Schröder entwickelten zu deren Ausbau umfangreiche Theorien, die Umsetzung in die Praxis gelang allerdings nicht auf Anhieb. Als dritte Persönlichkeit in dieser Reihe verlieh Philipp Wilhelm von Hörnigk dem wirtschaftlich-politischen Optimismus der Epoche mit dem Titel "Österreich über alles, wann es nur will" Ausdruck. Als Rückschläge sind in dieser Zeit die Vertreibung der Juden aus Wien unter Kaiser Leopold I. 1669/70 (Umgestaltung des Ghettos in die Leopoldstadt) und die schwere Pestepidemie von 1679 anzusehen.

Die kriegerische Eskalation in Ungarn, wo die Osmanen den Kuruzzenkönig E. Thököly von Késmark unterstützten, führte 1683 zum letzten großen Vorstoß eines osmanischen Heeres. Unter dem Befehl des Großwesirs Kara Mustafa kam es ab dem 14. Juli zur 2. Türkenbelagerung Wiens, die umliegenden Regionen wurden durch die Tataren verwüstet. Während Wien von den Verteidigern gehalten werden konnte, gelang einem unter dem Oberbefehl des Polenkönigs Johann III. Sobieski stehenden Heer am 12. September eine vom Kahlenberg ausgehende Entsatzschlacht, die zur Vernichtung der osmanischen Verbände führte und die Rückeroberung Ungarns einleitete.

Noch 1683 begannen die kaiserlichen Truppen den Feldzug in Ungarn, der in den darauffolgenden Jahren zahlreiche Erfolge brachte. Am 3. 9. 1686 wurde Buda erobert, Siebenbürgen konnte besetzt und der kaiserlichen Herrschaft einverleibt werden, unter Ludwig von Baden drangen die Kaiserlichen bis Südserbien vor, wo man 1689 Belgrad eroberte und bei Niš siegte. Nach einer vorübergehenden Phase von Rückschlägen konnte der neue kaiserliche Feldherr Prinz Eugen am 11. 9. 1697 bei Zenta den entscheidenden Sieg erringen. Im folgenden Frieden von Karlowitz wurde ganz Ungarn mit Ausnahme des Banats und Siebenbürgens habsburgisch. Nun konnte auch der Kampf um das Erbe der spanischen Verwandten gegen Frankreich gewagt werden (Spanischer Erbfolgekrieg).

Nach 1648 hatten die Österreicher als Stütze der habsburgischen Kaiser mehrere Kriege für das Reich gegen Frankreich geführt, dabei aber selten politische Erfolge erzielt. Das Elsaß mit Straßburg kam an Frankreich, auch gegen die Spanische Niederlande errang Frankreich Vorteile. Als im Jahr 1700 die spanische Linie der Habsburger ausstarb, beanspruchten die Österreicher die Erbschaft, obwohl der letzte spanische König, Karl II., das Erbe den mit ihm näher verwandten Bourbonen zugedacht hatte. Unterstützt von England und den Niederlanden, versuchte Karl, der jüngere Sohn von Kaiser Leopold I., in Spanien Fuß zu fassen, während sein älterer Bruder Joseph I. den Krieg in Italien, Deutschland und den Niederlanden führte. Den Verbündeten gelangen hier mehrere Siege, aber keine Entscheidung. Als Joseph I. 1711 starb und Karl VI. auch die Kaiserwürde und die österreichischen Länder erben sollte, verlor er die Unterstützung der Westmächte und musste sich zum Frieden entschließen, der in Rastatt und Baden (für das Reich) zustande kam. Vom spanischen Erbe erhielten die Österreicher die Niederlande (Belgien), Neapel und Sardinien (später Sizilien), Mailand und Mantua. Als Prinz Eugen in einem neuerlichen Türkenkrieg 1717 Belgrad eroberte, erreichten die habsburgischen Länder nach dem Frieden von Passarowitz 1718 ihre größte Ausdehnung.

Karl VI. wollte die erreichte Machtfülle in seiner Familie weitergeben, auch wenn er keine männlichen Erben besaß. Mit der 1714 verkündeten Pragmatischen Sanktion, die bis 1722 von allen Landtagen anerkannt wurde, konnte der Zusammenhalt der habsburgischen Länder auch unter der Erbfolge von Töchtern gesichert werden. Außenpolitisch musste dieser Erfolg durch Zugeständnisse erkauft werden, die die kaiserliche Macht weiter beeinträchtigten. Dies wurde schon im polnischen Thronfolgekrieg 1733-35 deutlich, als Neapel und Sizilien verlorengingen, sowie in einem weiteren Türkenkrieg 1737-39, der zum Verlust von Belgrad und Nordserbien führte.

Diese Periode nach der erfolgreichen Türkenabwehr war durch eine gewaltige Bautätigkeit gekennzeichnet (Barock), die nur zum geringeren Teil in der Behebung der Zerstörungen der Türkenkriege begründet war. Ein viel wichtigerer Beweggrund war das Repräsentationsbedürfnis der Führungsschichten, die in Prunkbauten ihre Machtfülle und ihren Reichtum präsentierten. Auch die Kirche war ein wichtiger Träger dieser Prachtentfaltung. Zu den führenden Baumeistern zählten Johann Bernhard Fischer von Erlach, sein Sohn Joseph Emanuel Fischer von Erlach und Johann Lukas von Hildebrandt in Wien und Salzburg, Jakob Prandtauer im westlichen Niederösterreich und in Oberösterreich sowie Johann Michael Prunner in Oberösterreich. Die Freskenausstattungen schufen Künstler wie P. Troger, D. Gran, M. Altomonte, B. Altomonte und F. A. Maulbertsch.

Dem wirtschaftlichen Aufschwung dienten die wichtigen Kaiserstraßen, auf denen auch der Postverkehr abgewickelt wurde, sowie Fabriken und Manufakturen wie die spätere Wiener Porzellanmanufaktur Augarten. Im Waldviertel versuchte Johann Christoph Ferdinand Graf Mallenthein eine Textilproduktion aufzubauen, scheiterte aber, als der Kaiser aus Rücksicht auf England die Ostindische Handelskompagnie in Ostende (Handelskompagnien) auflassen musste.

Eine Bevölkerungszuwanderung erfolgte in dieser Zeit vor allem in das ungarische Banat, aber auch in anderen Erbländern siedelten sich qualifizierte Einwanderer vor allem aus Südwestdeutschland und Italien an. Der Einfluss aus diesen Ländern und aus Spanien war unter Kaiser Karl VI. besonders stark. Mit dem Tod dieses Kaisers am 20. 10. 1740 endete diese Periode, und die darauffolgende 4 Jahrzehnte dauernde Regentschaft von Maria Theresia markierte eine neue Phase in der österreichischen Geschichte. (Maria-theresianische Epoche).

Maria-theresianische Epoche:
Die Regierungszeit Maria Theresias war durch den Einfluss der Aufklärung geprägt, die zur Überwindung des barocken Staates führte. Den Anfang ihrer Herrschaft bestimmten außenpolitische Misserfolge: der Verlust Schlesiens in 2 Kriegen gegen Preußen 1740-42 und 1743-45 und kleinerer Gebiete in Italien während des Österreichischen Erbfolgekriegs 1741-48. Die Schwächen der Armee und deren Finanzierung zwangen sie zu einer Staatsreform, die 1749 eingeleitet wurde und lange nachwirkte: Die Schaffung einer selbständigen Staatskanzlei, des Staatsrats, des "Directoriums in publicis et cameralibus" (später wieder in Böhmisch-österreichische Hofkanzlei und Hofkammer geteilt), das für alle inneren Angelegenheiten außer Justiz und Militär zuständig war, die Straffung der Länderverwaltung, die Errichtung von Kreisämtern, die Erstellung eines allgemeinen Katasters, der Abschluss von langfristigen Vereinbarungen mit den Ständen, der Neuaufbau des Heeres und die Gründung einer Militärakademie (Wiener Neustadt) waren damit verbunden. Im außenpolitischen Bereich, für den ab 1753 W. A. Kaunitz zuständig war, brachte ein Bündnis mit Frankreich (Renversement des Alliances) allerdings im 7-jährigen Krieg (1756-63) keinen Erfolg. Preußen wurde innerhalb des Reichs ein Österreich ebenbürtiger Rivale und bestimmte weitgehend das außenpolitische Handeln Österreichs. In der 2. Hälfte der Epoche wirkte Joseph II. ab 1765 als Mitregent; das verlorene Schlesien sollte durch Gebietsgewinne aufgewogen werden: an Österreich kamen Galizien, die Bukowina und das Innviertel.

Die Durchführung wesentlicher Reformen in der Innenpolitik war mit starken Spannungen zwischen Maria Theresia und Joseph II. verbunden. Wirtschaftlich wurden die durch Zollschranken getrennten Länder zu einer Einheit verschmolzen, wodurch eine geordnete Gewerbe- und Industriepolitik ermöglicht werden sollte. Die soziale Lage der Bauern sollte durch die Begrenzung der Robotleistungen und durch Fortschritte in der bäuerlichen Wirtschaftsführung verbessert werden. Im Rahmen neuer bildungspolitischer Zielsetzungen erfolgte 1774 die Einführung der Volksschule. Eingriffe in die innere Struktur der kirchlichen Orden, die Aufhebung des Jesuitenordens 1773 und die Verringerung der kirchlichen Feiertage leiteten ein vom Staatsinteresse bestimmtes Verhältnis zur Kirche ein. Die Abschaffung der Folter und mildere Gerichtsstrafen spiegeln die Ideen der Aufklärung wider. Die militärische Organisation und die Stellung der Soldaten wurden verbessert. Dabei wurde auch die Verwaltungsstruktur neu geordnet (Bildung von Katastralgemeinden, Verzeichnis der Häuser, Klärung der militärischen Dienstpflicht und der Freistellung von der Rekrutierung).

Obwohl Maria Theresia keine Angleichung Ungarns an die übrigen Länder der Monarchie vorsah und größere Reformen dort scheute, erlebten in ihren 40 Regierungsjahren alle Länder der Monarchie einen Modernisierungsschub.

Dabei konnten sich Herrscherin und Staat auf bedeutende Mitarbeiter stützen; in der Außenpolitik W. A. Kaunitz, in der Innenpolitik F. W. Haugwitz, bei militärischen Fragen waren es Feldherren wie L. J. Daun, E. G. Laudon und F. M. Graf Lacy, in der Bildungspolitik J. I. Felbiger sowie ein immer effizienterer Beamtenstab, so dass sich der Wille der Herrscherin und die Beschlüsse des Staatsrats rasch umsetzen ließen.

Napoleonische Kriege:
Österreich war in alle Kriege verwickelt, die Frankreich zur Zeit der Revolution und insbesondere unter Napoleon I. Bonaparte in Europa führte. Im 1. Koalitionskrieg (1792-97) waren Österreich, Preußen (1795 ausgeschieden), England, Holland, Spanien und Sardinien beteiligt. Napoleon entschied 1797 den Krieg durch einen Vormarsch bis in die Steiermark (Frieden von Campoformido). Am 2. Koalitionskrieg (1799-1802) waren Österreich, Russland, England, Neapel, Portugal, der Kirchenstaat und das Osmanische Reich beteiligt. Napoleons Truppen rückten bis Niederösterreich vor (Demarkationslinie war die Erlauf), bis der Friede von Lunéville den Krieg beendete. Im 3. Koalitionskrieg (1805) war Österreich mit Russland, England und Schweden verbündet. Napoleon zwang Österreich bei Ulm zur Kapitulation, nahm Wien ein und siegte in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz (Slavkov u Brna, Tschechische Republik) am 2. 12. 1805. Der Friede von Pressburg beendete diesen Krieg. Nach umfangreichen Rüstungen, Aufstellung einer Landwehr und unter dem Eindruck des spanischen Widerstands begann Österreich am 9. 4. 1809 wieder einen Krieg gegen Frankreich, gleichzeitig brach ein Aufstand in Tirol los. Napoleon besetzte neuerlich Wien, wurde am 21./22. 5. 1809 in der Lobau bei Aspern und Eßling besiegt, bezwang die Österreicher aber am 5./6. 7. 1809 in der Schlacht bei Wagram. Der Friede von Schönbrunn vom 14. 10. 1809 trennte die Monarchie vom Meer ab und gab Tirol preis. Die Folge war eine Zerrüttung der Staatsfinanzen. Österreich musste sich am Feldzug Napoleons gegen Russland 1812 beteiligen, erlitt aber kaum Verluste. Am 11. 8. 1813 schloss sich Österreich den verbündeten Russen, Preußen und Schweden an. Unter dem Oberbefehl von Karl Fürst zu Schwarzenberg wurde Napoleon von 16.-18. 10. 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig entscheidend geschlagen. Die verbündeten Heere rückten in Frankreich ein, Napoleon wurde zur Abdankung gezwungen und der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas einberufen. In Zusammenhang mit den Napoleonischen Kriegen standen die Bildung des Kaisertums Österreich und die Auflösung des Heiligen Römischen Reichs.

Vormärz, Biedermeierzeit:
Als sich Napoleon 1804 zum Kaiser der Franzosen ernannte, gründete Kaiser Franz II. am 8. 8. 1804 das Kaisertum Österreich und legte 1806 die Krone des Heiligen Römischen Reichs nieder. Die habsburgischen Länder litten unter den Napoleonischen Kriegen, die enorme Kosten verursachten, 1811 zum Staatsbankrott führten und die sich langsam entfaltende Industrie zurückwarfen. Die Wirtschaft brauchte 10 Jahre, um das Tief zu überwinden. Die von Napoleon erzwungene Kontinentalsperre führte aber auch zur Entwicklung neuer Produkte (zum Beispiel Rübenzucker).

Außenpolitisch stand Österreich 1815 dank seiner Position als kriegsentscheidende Macht und der Person Metternichs auf einem Höhepunkt: Wien wurde als Kongressort ausgewählt, an dem die Neuordnung Europas festgelegt wurde. Das Kaisertum Österreich erhielt einen Teil seiner früheren Provinzen zurück, verzichtete aber auf Belgien und die Vorlande in Südwestdeutschland zugunsten einer Vorherrschaft im neu geschaffenen Deutschen Bund und in Italien durch Zuteilung der Lombardei und Venetiens. Die "Heilige Allianz" der Herrscher Russlands, Österreichs und Preußens sollte die Stabilität garantieren, wandte sich künftig gegen alle liberalen Strömungen in Europa, konnte ihre Haltung bei den Kongressen von Aachen 1818, Karlsbad 1819, Troppau 1820 sowie Laibach und Venedig 1822 bekräftigen, bis gegen Ende des Jahrzehnts vor allem Großbritannien und Frankreich diese Linie verließen.

Innenpolitisch war die Ära nach den Napoleonischen Kriegen durch ein hartes Polizeiregime geprägt, das liberale Regungen unterdrückte, ausländische Literatur von der Monarchie fernhielt und dadurch unter anderem den Rückzug des immer stärker werdenden Bürgertums in private Interessensphären begünstigte. Diese Kultur des Biedermeier erreichte im städtischen Bereich vor allem im Rahmen der Musik einen Höhepunkt: ihr Ruhm, der bereits im 18. Jahrhundert durch W. A. Mozart und J. Haydn begründet worden war, wurde durch die in Wien wirkenden Komponisten L. von Beethoven, F. Schubert und die Walzerkomponisten J. Strauß Vater und J. Lanner gekräftigt. F. Grillparzer stärkte mit seinen Stücken das Staatsbewusstsein, J. Nestroy und F. Raimund führten das Altwiener Volkstheater zu einem Höhepunkt. Die bedeutendsten Maler der Zeit waren L. Kupelwieser und der auch sozialkritische F. G. Waldmüller.

Obwohl ab den 20er Jahren ein beträchtliches Wirtschaftswachstum, zum Teil durch die Privilegiengesetze begünstigt, erzielt wurde, waren breite Volksschichten von Armut betroffen, vor allem Industriearbeiter, die sich in den Vorstädten Wiens angesiedelt hatten, aber auch die aus den übervölkerten Gegenden Böhmens und den Gebirgsregionen der Alpenländer abwandernden Menschen. Erfinder und Jungunternehmer aus kleineren deutschen Staaten ließen sich wegen der größeren Absatzchancen in Österreich nieder und entwickelten neue Produkte. Viele Ideen brachten sie als wandernde Handwerker aus England mit, wie auch die Technologie des Eisenbahnbaus, die in den 30er Jahren einsetzte. Die Pferdeeisenbahn Linz- Budweis war zwar schon bei ihrer Fertigstellung 1832 überholt, aber die mit Dampflokomotiven befahrene Bahnlinie Wien- Mähren (1837 bis Deutsch-Wagram eröffnet und rasch fortgesetzt) leitete ein neues Kapitel der Verkehrspolitik ein. Gleichzeitig wurde auch der Donauverkehr durch die Gründung einer Dampfschifffahrtsgesellschaft erschlossen, 1831 fuhr das erste Schiff von Wien nach Budapest, 1932 von Wien nach Linz.

1831/32 legte eine Choleraepidemie das Wirtschaftsleben im Wiener Raum für Monate lahm, rasch aufeinanderfolgende Missernten beeinträchtigten zusätzlich die wirtschaftliche Entwicklung. Grundherrschaften und feudale Einrichtungen galten als überholt, die Unzufriedenheit wuchs. Kaiser Franz I. stand als Herrscher stets allen Veränderungen skeptisch gegenüber, für seinen geistig behinderten Sohn Ferdinand (1835-48) musste eine Staatskonferenz die Regierung übernehmen. Eine junge Generation Intellektueller verlangte von dem schwerfälligen Verwaltungsapparat immer dringender eine Verfassung und eine Liberalisierung des Staats. Am 13. 3. 1848 kam es schließlich zum Ausbruch der Revolution 1848 in Wien, die den Sturz Metternichs, der bestimmenden politischen Gestalt des Vormärz´, Pressefreiheit, eine Verfassung und im Sommer eine Reichstagswahl nach sich zog. Als einziges großes Gesetz wurde am 7. 9. 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit der Bauern beschlossen und damit der durch ein Jahrtausend bestehende, zuletzt überholte Feudalstaat beendet.

Franziskojosephinische Ära
Die Regierungszeit Kaisers Franz Josephs I. (1848-1916) bzw. die Periode von der Revolution 1848 bis zum 1. Weltkrieg. Aufgrund der langen Regierungsdauer von Franz Joseph und der großen Veränderungen ist sie in mehrere Abschnitte zu gliedern: 1) Neoabsolutismus 1848-60, 2) Übergangsperiode 1860-67, 3) liberale Epoche 1867-79, 4) "Periode des Fortwurstelns" bzw. des politischen Aufbruchs des Volkes 1879-93, 5) Zeit der heftigen Nationalitätenkämpfe und der Demokratisierung 1893-1914, 6) 1. Weltkrieg und Ende der Monarchie.

1) Der erste Abschnitt war durch die Niederwerfung Ungarns und der Lombardei, die Aufrechterhaltung der Führung im Deutschen Bund sowie durch die Ausschaltung des 1848 gewählten Parlaments gekennzeichnet. Durch das Silvesterpatent von 1851 erfolgte die Rückkehr zum Absolutismus, der Staat hatte sich aber durch die Aufhebung der Feudalstrukturen gewandelt; Gemeinden, Bezirksverwaltungen und staatliche Gerichte waren eingerichtet worden. Die Industrialisierung setzte ein, in Wien wurde die Errichtung der Ringstraße ermöglicht. Diplomatische Niederlagen im Krimkrieg 1853-56 und militärische in Italien 1859 (Verlust der Lombardei, Zustimmung zur Einigung Italiens) schlossen diese Phase ab.

2) Ab 1860 setzten Bemühungen ein, eine konstitutionelle Monarchie mit Einbeziehung Ungarns zu installieren, die jedoch erfolglos blieben. Der verlorene Krieg gegen Preußen und Italien 1866 brachte das Ausscheiden aus dem Deutschen Bund und den Verlust Venetiens, die Folge war der Ausgleich mit Ungarn 1867.

3) Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn bildete ab 1867 einen Staatenbund unter der Führung eines Monarchen. Die gemeinsamen Angelegenheiten besorgten 3 Reichsministerien (Außen-, Kriegs- und Finanzministerium), aus jedem Parlament wurden 60 Mitglieder für die gemeinsamen Angelegenheiten und die Aufteilung der Beiträge (Quoten) gewählt. Jede Reichshälfte hatte eine Verfassung, ein aus 2 Kammern bestehendes Parlament, eine Regierung (auch je einen Finanz- und Heeresminister) sowie eine eigene Verwaltungsstruktur. Die westliche Reichshälfte (Zisleithanien, offizielle Bezeichnung: "die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder") hatte bis 1879 liberale Regierungen, die die Aufhebung des Konkordats von 1855, das Reichsvolksschulgesetz von 1869, eine neue Strafprozessordnung 1872 und die Einrichtung des Verwaltungsgerichtshofs 1875 durchsetzten. Die Periode war durch eine stürmische Wirtschaftsentwicklung (Eisenbahnbau, Gründerzeit) gekennzeichnet, die 1873 von einer Rezession abgelöst wurde. In der Innenpolitik stand die Sorge der deutschsprachigen Führungsschicht um den nationalen Besitzstand im Vordergrund, außenpolitisch die Okkupation von Bosnien und der Herzegowina 1878 sowie das Bündnis mit dem Deutschen Reich 1879. Im Zeichen des Liberalismus wandelte sich Österreich zum modernen Staat mit industrieller bürgerlicher Gesellschaft.

4) Die vorhergehende Periode wurde abgelöst durch die Ära Taaffe mit der Rückkehr der Tschechen in den Reichsrat, die Entstehung deutschnationaler Strömungen, die Ausdehnung der politischen Mitsprache (Fünfguldenmänner) und die politische Organisation niedrigerer Volksschichten (Arbeiter, Bauern, Kleinbürger).

5) Ab 1893 erfolgte der Übergang zur Massendemokratie (Eintritt der Volksmassen in die Politik) mit starken nationalen und sozialen Gegensätzen. Stationen dieser Entwicklung waren die Wahlrechtsreformen 1897 und 1907, durch die die Sozialdemokraten zu einem staatspolitischen Faktor wurden und auch eine föderalistische Umgestaltung des Staates angestrebt werden sollte. In dieser Periode wurden enorme Fortschritte auf dem Gebiet des Verkehrswesens (Ausbau des Eisenbahnnetzes), der Industrie (mit Schwerpunkten Niederösterreich, Böhmen, Mähren), der Technik (Telegraf, Telefon, Gas, Elektrizität, Auto) und in der Bautätigkeit in Wien und fast allen Provinzstädten erzielt. Einen starken Ausbau erfuhr das Schulwesen; Höhepunkte erreichte das kulturelle Leben in Zeitungswesen, Musik, Literatur und Kunst.

6) Die letzten Jahre der Franziskojosephinischen Ära waren vom Ersten Weltkrieg bestimmt.

Erste Republik:
Die Geschichte der Ersten Republik begann mit dem 12. 11. 1918, dem Tag der Ausrufung der Republik "Deutschösterreich" durch die Provisorische Nationalversammlung, zu der sich alle deutschsprachigen Abgeordneten des 1911 gewählten Reichsrats am 21. 10. 1918 zusammengeschlossen hatten. Am 31. 10. hatte H. Lammasch, der letzte österreichische Ministerpräsident, die Regierungsgeschäfte einem aus den 3 Präsidenten und 20 Mitgliedern (aller Parteien) der Provisorischen Nationalversammlung bestehenden Staatsrat übergeben, und am 11. 11. 1918 hatte Kaiser Karl "auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften" verzichtet. Der Sozialdemokrat K. Renner bildete als Staatskanzler eine Konzentrationsregierung aus allen Parteien.

Die am 16. 2. 1919 gewählte Konstituierende Nationalversammlung beschloss die erste rein parlamentarische Bundesverfassung, die am 1. 10. 1920 in Kraft trat. Rot-Weiß-Rot, die ehemaligen Babenbergerfarben, wurden die Staatsfarben (Wappen).

Der geplante Anschluss der jungen Republik an das Deutsche Reich (Anschluss) wurde von der Pariser Friedenskommission 1919 untersagt. Am 24. 3. 1919 musste Exkaiser Karl mit seiner Familie Österreich verlassen, da er sich weigerte, in aller Form auf den Thron zu verzichten. Die Nationalversammlung beschloss daraufhin am 3. 4. 1919 die Landesverweisung und Enteignung des Hauses Habsburg-Lothringen (Habsburger-Gesetz) und die Abschaffung des Adels.

Am 10. 9. 1919 musste die Nationalversammlung den Bestimmungen des Friedensvertrags von Saint-Germain zustimmen, den Staatskanzler Renner am 25. 10. 1919 unterzeichnete und der Österreich die Kriegsschulden der alten Monarchie aufbürdete. Die Bezeichnung "Deutschösterreich" wurde verboten, das Burgenland Österreich zuerkannt, Südkärnten blieb aufgrund einer Volksabstimmung 1920 bei Österreich (Kärntner Abwehrkampf, Kärntner Volksabstimmung), Südtirol dagegen musste ohne jede Abstimmung mit 230.000 Österreichern an Italien abgetreten werden. Österreich verblieben rund 12 % des Gebiets der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie. Damit stand der junge Staat vor großen wirtschaftlichen Problemen. Zu diesen Schwierigkeiten der unmittelbaren Nachkriegsjahre, gekennzeichnet durch Hungersnot, Kohlenmangel, Inflation, Arbeitslosigkeit, kamen bald innenpolitische Spannungen zwischen den Parteien, als am 10. 6. 1920 die seit dem Oktober 1918 bestehende Koalition mit den Sozialdemokraten von den Christlichsozialen aufgekündigt wurde. Die Sozialdemokraten schieden am 22. 10. 1922 aus der Regierung aus und standen von nun an bis zur Auflösung ihrer Partei 1934 in Opposition.

Am 16. 12. 1920 wurde Österreich in den Völkerbund aufgenommen. Bundeskanzler I. Seipel schloss am 4. 10. 1922 eine Völkerbundanleihe auf 20 Jahre in der Höhe von 650 Millionen Goldkronen ab, die mit einer internationalen Finanzkontrolle Österreichs (bis 1926) verbunden war. 1924 wurde die neue Schilling-Währung eingeführt; sie leitete die allmähliche Sanierung der österreichischen Wirtschaft ein.

Die ersten großen Wasserkraftwerke (Partenen in Vorarlberg, Partenstein in Oberösterreich, Teigitsch-Kraftwerke in der Steiermark) konnten errichtet, Teilstrecken der Bundesbahnen elektrifiziert, das Straßennetz erweitert und erneuert werden (Gaisbergstraße 1929, Großglockner-Hochalpenstraße und Wiener Höhenstraße 1935, Packstraße 1936), der soziale Wohnbau wurde in Wien aufgenommen, die Industrialisierung vorangetrieben, die Produktion der Landwirtschaft beträchtlich erhöht (1937 bestritt die Landwirtschaft bereits 81 % der Nahrungsmittelversorgung; ihre Mechanisierung nahm zu). Eine wesentliche Rolle begann auch der Fremdenverkehr als Devisenbringer zu spielen. 1921 wurde die Wiener Messe gegründet. Der Export von Fertigwaren (Holz, Holzwaren, Eisen, Stahl, Papier, Textilien, Milchprodukte) wirkte sich günstig auf die Außenhandelsbilanz aus. Schon 1925 wies der Staatshaushalt einen Gebarungsüberschuss von 76,5 Millionen Schilling auf, und 1927 war die Währung durch den Gold- und Devisenbestand der Nationalbank bereits zu 70 % gedeckt.

Dennoch war die österreichische Wirtschaft weiterhin schweren Belastungen ausgesetzt; da das notwendige Kapital im eigenen Land nicht aufgebracht werden konnte, musste es aus dem Ausland beschafft werden, wodurch sich Österreich weitgehend fremdem politischen Einfluss aussetzte. Von den rund 250.000 Beamten mussten 100.000 entlassen bzw. vorzeitig pensioniert werden. Die Eisenbahnen hatten 1919 rund 75 % ihres ehemaligen Streckennetzes verloren, übrigblieben vor allem die kostspieligen Gebirgsstrecken; für den Bezug der fehlenden Steinkohlen mussten beträchtliche Devisen aufgewendet werden.

Beachtlich waren die Leistungen auf dem Gebiet der Sozialgesetzgebung, womit sich Österreich an die erste Stelle der sozial fortgeschrittenen Staaten Europas setzte: Achtstundentag, Betriebsräte, Arbeitslosenversicherung und Altersversorgung wurden eingeführt, der Mieterschutz blieb aufrecht. Der Sozialdemokrat F. Hanusch und der Christlichsoziale J. Reschkämpften erfolgreich für das Angestellten-, das Arbeiterurlaubs-, das Hausgehilfen- und das Invalidenbeschäftigungsgesetz sowie für Kollektivverträge. Fürsorge- und Gesundheitswesen wurden modern geregelt, Schulzahnkliniken, Mutterberatungsstellen und Fürsorgestellen eingerichtet, neue Sportanlagen, Bäder und moderne Kindergärten eröffnet.

In Kunst und Wissenschaft konnte der junge Staat mit der alten Metropole Wien seine überragende Stellung weiter behaupten. Wiener Burgtheater, Oper und Operette und die von M. Reinhardt, H. von Hofmannsthalund R. Straussgegründeten Salzburger Festspiele trugen den Namen Österreichs in alle Welt, die Werke der österreichischen Dichter A. Wildgans, H. von Hofmannsthal, F. Werfel, S. Zweig, R. Musil, F. Kafka, H. Broch und J. Roth gingen in die Weltliteratur ein. Für die Leistungen der Wissenschaft zeugen die Nobelpreisträger K. Landsteiner, E. Schrödingerund J. Wagner-Jauregg. O. Glöckelund seine bahnbrechende Wiener Schulreform verfolgten den zeitgemäßen Umbau des Bildungswesens; die Volksbildungsarbeit ergriff durch Volkshochschulen und Volksbüchereien weite Kreise der Bevölkerung, die Tätigkeit der landwirtschaftlichen Berufsschulen wirkte ebenso in die Breite.

Während sich die wirtschaftliche und kulturelle Lage der Ersten Republik allmählich konsolidierte, verschärften sich die Gegensätze zwischen der bürgerlichen und der sozialistischen Seite von Jahr zu Jahr. Beide großen Parteien gründeten bewaffnete Wehrverbände, die Frontkämpferorganisationen entstanden ab 1920 und die Heimwehren 1921-23, der Republikanische Schutzbund 1923. Das Linzer Programm, die Entwicklung des Austromarxismus, die Verstärkung der Heimwehrbewegung und des Austrofaschismuskennzeichneten die Lage. Der Freispruch im Schattendorfer Prozess beschwor die Wiener Julirevolte und den Justizpalastbrand von 1927 herauf.

Der Verlauf dieser Ereignisse hatte die Sozialdemokraten geschwächt und die Heimwehr gestärkt, sodass unter deren antiparlamentarischen Druck 1929 eine Verfassungsänderung durchgeführt werden konnte, die dem Bundespräsidenten auf Kosten des Nationalrats mehr Macht einräumte. Er sollte nun direkt vom Volk gewählt werden und nicht mehr auf bloße Repräsentationsfunktionen beschränkt sein, seither ernennt er die Mitglieder der Bundesregierung und kann das Parlament auflösen und Neuwahlen ausschreiben.

Die 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise brachte auch Österreich in neue wirtschaftliche Schwierigkeiten. Fabriken mussten geschlossen werden, die Zahl der unterstützten Arbeitslosen stieg von 264.148 im Februar 1929 auf 401.321 im Februar 1933, dazu kamen jeweils rund 100.000 nicht unterstützte Personen, so genannte Ausgesteuerte. Der Zusammenbruch der Creditanstalt 1931 verschlechterte die wirtschaftliche Lage noch mehr.

Eine Erleichterung für Österreich war die auf der Haager Konferenz 1930 ausgesprochene Befreiung von den Reparationspflichten, den Forderungen der Nachfolgestaaten und dem Generalpfandrecht. 1932 musste Österreich eine neue Völkerbundanleihe in der Höhe von 300 Millionen Schilling aufnehmen (Vertrag von Lausanne). Der Versuch J. Schobers, eine Zollunion mit Deutschland zu errichten (1931), scheiterte am Einspruch Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei.

Als am 4. 3. 1933 alle 3 Präsidenten des Nationalrats aus abstimmungstechnischen Gründen ihr Amt nacheinander niederlegten, erklärte am 7. 3. die Regierung Dollfuß, der Nationalrat habe "sich selbst ausgeschaltet". Damit war die parlamentarische Demokratie der Ersten Republik beendet; E. Dollfuß verhinderte, dass der Nationalrat wieder zusammentrat, und regierte seither unter Berufung auf das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus 1917 autoritär mit Hilfe von Regierungsverordnungen. Im gleichen Jahr wurden der Republikanische Schutzbund, die Kommunistische Partei und die Nationalsozialistische Partei (die beide im Parlament der Ersten Republik nie über ein Mandat verfügt hatten) sowie der Steirische Heimatschutz verboten. Im Mai 1933 wurde die Vaterländische Front gegründet. Infolge des bewaffneten Widerstands von Schutzbündlern in Linz gegen nach Waffen suchende Exekutivorgane und Heimwehrleute kam es am 12. 2. 1934 zur Erhebung des Republikanischen Schutzbunds und zum offenen Bürgerkrieg (Februarkämpfe).

Am 1. 5. 1934 rief Dollfuß mit der Maiverfassung1934 den "Christlichen deutschen Bundesstaat Österreich auf berufsständischer Grundlage" aus und machte die Vaterländische Front zum "alleinigen Träger der politischen Willensbildung"; die gesetzgebenden Körperschaften sollten Staatsrat, Bundeskulturrat, Bundeswirtschaftsrat und Länderrat sein (Ständestaat).

Inzwischen begann die drohende Gefahr des Nationalsozialismus für Österreich immer gefährlichere Formen anzunehmen. Am 27. 5. 1933 hatte die nationalsozialistische deutsche Reichsregierung die "1000-Mark-Sperre" erlassen; jeder Deutsche, der nach Österreich reisen wollte, musste 1000 Mark erlegen (1932 waren 40 % der ausländischen Touristen in Österreich Deutsche). In Österreich selbst setzte eine Welle von Terror und Sabotageakten der NSDAP ein. Bei dem am 25. 7. 1934 misslungenen Putschversuch der Nationalsozialisten wurde Bundeskanzler Dollfuß ermordet (Juliputsch). - 1934 wurden zwischen Österreich, Italien und Ungarn die so genannten Römischen Protokolle unterzeichnet, die die Aufrechterhaltung der Eigenstaatlichkeit Österreichs zum Ziel hatten. Ihnen ging die Drei-Mächte-Garantie (Großbritannien, Italien, Frankreich) für Österreichs Unabhängigkeit voraus. Aber im österreichisch-deutschen Verständigungsabkommen vom 11. 7. 1936 (Juliabkommen) verpflichtete sich Österreich bereits, seine "Außenpolitik als zweiter deutscher Staat zu führen".

Am 10. 10. 1936 löste K. Schuschnigg, der 1934 Nachfolger von Dollfuß als autoritärer Bundeskanzler geworden war, alle Wehrverbände auf, nachdem er am 1. 4. 1936 ein Gesetz über die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht erlassen hatte. Die weitere Politik Hitlers und des faschistischen Italien unter B. Mussolini ("Achse Berlin- Rom") machten die Römische Protokolle unwirksam. Bei der Begegnung Hitlers mit Schuschnigg in Berchtesgaden am 12. 2. 1938 drohte Hitler mit dem sofortigen Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, falls seine Forderungen (unter anderem Amnestie für die verhafteten Nationalsozialisten, Aufnahme nationalsozialistischer Minister in die österreichische Regierung) nicht sofort erfüllt würden.

Den Aufruf Schuschniggs an das Volk zu einem Volksentscheid über die Unabhängigkeit Österreichs beantwortete Hitler mit sich überstürzenden Ultimaten, denen sich Schuschnigg am Abend des 11. März 1938 beugte: Er verzichtete auf Widerstand, "weil wir um keinen Preis (...) deutsches Blut zu vergießen gesonnen sind", trat zurück und übergab die Regierung dem von Deutschland namhaft gemachten Nationalsozialisten A. Seyß-Inquart. In der Nacht vom 11. zum 12. März marschierte deutsches Militär in Österreich ein. Am 13. 3. 1938 verkündete Hitler in Linz die "Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich" (Anschluss). Der österreichische Bundespräsident W. Miklas wurde am 13. 3. 1938 zur Abdankung veranlasst. Großbritannien, Frankreich und das mit dem Ständestaat befreundete Italien Mussolinis hatten keine ihrer Garantieerklärungen erfüllt, sondern tatenlos den Gewaltakt zur Kenntnis genommen. Der Völkerbund schwieg ebenfalls. Als einziger Staat protestierte Mexiko.

Österreich 1938-1945:
Nachdem am Abend des 11. 3. 1938 die Nationalsozialisten (Nationalsozialismus) in Österreich die Macht übernommen hatten und am 12. 3. deutsche Truppen in Österreich einmarschiert waren, trat am 13. 3. 1938 auch Bundespräsident W. Miklas zurück, und die nationalsozialistische Bundesregierung beschloss ein Verfassungsgesetz mit dem Inhalt "Österreich ist ein Land des Deutschen Reiches", ein gleichlautendes Reichsgesetz wurde in Berlin veröffentlicht. Mit der Durchführung wurde der Gauleiter des Saarlands, J. Bürckel, kommissarischer Leiter der NSDAP und nach der Volksabstimmung über den Anschluss am 10. 4. 1938 "Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich", beauftragt. Die Regierung hieß "Österreichische Landesregierung" und wurde vom Reichsstatthalter in Österreich, A. Seyß-Inquart, geleitet; sie blieb bis 1939 im Amt, musste aber die Kompetenzen abgeben und den bisherigen Staat liquidieren (Erste Republik).

J. Bürckel erhielt nach dem 10. 4. 1938 umfassende Vollmachten mit Ausnahme von Wehrmacht und Wirtschaft und wurde gegenüber dem Reichsstatthalter weisungsberechtigt. Die Bezeichnung "Österreich" wurde vorerst durch "Ostmark" ersetzt.

Einschneidende Maßnahmen waren mit dem Auswechseln der Führungskräfte im öffentlichen und privaten Sektor verbunden. Am 1. 4. 1938 erfolgte eine erste Deportation österreichischer Funktionäre und Patrioten in das KZ Dachau, weitere wurden für einige Zeit inhaftiert. Neben österreichischen Nationalsozialisten wurden viele Reichsdeutsche in Führungspositionen eingesetzt, was vor allem in der Wirtschaft zu Schwierigkeiten führte.

Bereits im März 1938 begann die Integration der österreichischen in die deutsche Wirtschaft durch Einbeziehung in den Vierjahresplan und durch Besitzumschichtung fast der gesamten Großindustrie in "deutsches Eigentum". Mit 31. 5. 1938 wurde die Gaueinteilung der NSDAP vorgenommen, Nieder- und Oberösterreich wurden in "Nieder- und Oberdonau" umbenannt, die historische Struktur der Bundesländer wurde verändert. Am 1. 10. 1938 wurden die Verwaltungsstrukturen der Gaueinteilung angepasst. Das Burgenland teilte man zwischen Niederdonau und Steiermark auf, Tirol und Vorarlberg wurden vereinigt, Osttirol kam zu Kärnten, der Gerichtsbezirk Bad Aussee zu Oberdonau und 97 Umlandgemeinden zu Wien; die Gemeinden Jungholz und Mittelberg wurden Bayern zugeschlagen. Eine Vereinheitlichung, aber auch die völlige Zerstörung der historischen Strukturen brachte das Ostmarkgesetz vom 1. 5. 1939. 7 Reichsgaue (deckungsgleich mit den Gauen der NSDAP) wurden gebildet, an deren Spitze standen Reichsstatthalter, die mit den NSDAP-Gauleitern identisch waren und dem Innenminister unterstellt waren. Die Befugnisse des Reichsstatthalters in Österreich gingen auf den Reichskommissar über, dessen Funktion am 31. 3. 1940 erlosch. Damit hatte die Existenz Österreichs als Rechtssubjekt aufgehört. Selbst die Bezeichnung "Ostmark" oder "Ostmark-Reichsgaue" sollte ab August 1942 nicht mehr verwendet werden - als Sammelbegriff galt "Alpen- und Donaureichsgaue".

Die Verwaltungsbezirke wurden einem Landrat unterstellt und erhielten Selbstverwaltungskompetenzen, die deutsche Gemeindeordnung wurde ab 1. 10. 1938 eingeführt, einige Städte wurden durch Eingemeindungen wesentlich vergrößert (Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, Krems, St. Pölten usw.). Einschneidend waren die Einführung der Standesämter sowie eine neue Sozial- und Steuergesetzgebung. Bei der Beurteilung von verwaltungstechnischen und sozialen Maßnahmen muss berücksichtigt werden, dass Österreich mit der Übernahme deutscher Verwaltungspraxis und der nationalsozialistischen politischen Diktatur konfrontiert wurde. Um den NS-Staat zu festigen, wurde ein hartes Polizeiregime errichtet, das österreichische Bundesheer wurde der deutschen Wehrmacht eingegliedert, 2 Wehrkreiskommandos geschaffen und ein 2-jähriger Militärdienst eingeführt, dazu kam der Reichsarbeitsdienst. Regimegegner wurden verfolgt, in Konzentrationslager gebracht oder zum Tod verurteilt. In Mauthausen entstand ein KZ, das später eine Reihe von Außenstellen erhielt.

Maßnahmen zur Verfolgung und Vertreibung der Juden erlebten im Novemberpogrom vom 9./10. 11. 1938 einen ersten Höhepunkt, danach folgte die weitgehende Konzentration der verbliebenen jüdischen Bevölkerung in Wien und die systematische Deportation in Konzentrationslager und Vernichtungslager. Ähnlicher Verfolgung waren besonders im Burgenland die Roma (und Sinti) ausgesetzt. Ein starker Druck erfolgte auf die katholische Kirche, obwohl die Bischöfe 1938 einen Ausgleich suchten. Im Oktober 1938 kam es zum Sturm auf das Erzbischöfliche Palais in Wien, Anlass war die vollständige Beanspruchung der Jugenderziehung durch die Hitlerjugend. In der Folge wurden zahlreiche Klöster aufgehoben (Admont, Altenburg, Klosterneuburg, Göttweig, Wilhering, Kremsmünster, St. Florian, Lambach, Stams); schon im Mai 1938 war Stift St. Lambrecht aufgelöst worden (Außenstelle des KZ Mauthausen). Die kirchlichen Schulen wurden geschlossen. Volks- und Hauptschulen wurden weniger, die höheren Schulen (Oberschulen) stark verändert; eine Reihe zusätzlicher Anstalten wurden gegründet. An die Stelle der Bundeserziehungsanstalten traten die "Napolas" (Nationalpolitische Erziehungsanstalten). In der Lehrerausbildung blieb die österreichische Lehrerbildungsanstalt erhalten, auch die Universitäten blieben bestehen. Alle Erscheinungen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens wurden den Erfordernissen der NSDAP unterworfen, deren Organisation eng mit der staatlichen verknüpft war.

In wirtschaftlicher Hinsicht ging aufgrund der nationalsozialistischen Kriegsvorbereitungen die hohe Arbeitslosigkeit rasch zurück. Ein intensiver Straßenbau (Autobahnen), die Gründung neuer Großbetriebe vor allem in Oberösterreich (Linz, Lenzing, Ranshofen) und die Erneuerung alter Betriebe sowie die Nutzung von Rohstoffreserven (Eisenerz, Erdöl, Magnesit und Holz) für die Rüstung wurden vorangetrieben. Eine erhebliche Bautätigkeit fand im militärischen Bereich statt (Kasernen, Flugplätze, Lager), große Truppenübungsplätze (Döllersheim, Kaisersteinbruch) wurden geschaffen. Die Devisenvorräte (Ende 1937 471,49 Millionen Schilling und Clearing-Guthaben im Ausland) der Oesterreichischen Nationalbank wurden von der Reichsbank beansprucht, der Umtausch von Schilling in Mark im Verhältnis 1,5 : 1 war für die Österreicher relativ ungünstig.

Die Außenpolitik des Deutschen Reichs war vor allem für die Tiroler enttäuschend, da Hitler auf die Wiedervereinigung von Nord- und Südtirol verzichtete. Die deutschsprachigen Bewohner der italienischen Provinz Alto Adige konnten nach Deutschland übersiedeln, besonders viele wurden im ehemaligen Österreich angesiedelt. Die Fortsetzung der aggressiven Expansionspolitik durch Hitler führte mit der Sudetenkrise (Südmähren und Südböhmen wurden Teile der Gaue Oberdonau und Niederdonau) im September 1938 an die Grenze eines Kriegs; es folgten die deutsche Okkupation von Tschechien (Protektorat Böhmen und Mähren) sowie die Gründung der Slowakei und Umgestaltungen auf dem Balkan (Wiener Schiedsspruch); mit dem Angriff auf Polen begann am 1. 9. 1939 der Zweite Weltkrieg.

Erste Folgen waren vor allem eine verschärfte Versorgungslage und die Einberufung der Wehrpflichtigen. Für die Besetzung Norwegens wurde vorwiegend auf österreichische Gebirgstruppen zurückgegriffen. Der Feldzug gegen Jugoslawien im April 1941 trug den Krieg an die Südgrenze Österreichs (Hauptquartier im Tunnel von Tauchen bei Mönichkirchen), und Oberkrain wurde mit Kärnten, der Ostteil Sloweniens mit der Steiermark vereinigt. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion (22. 6. 1941) wurde der Krieg härter; am 11. 12. 1941 erklärte Deutschland den USA den Krieg. 1943 begann man in Österreich mit dem Aufbau einer Luftverteidigung für Industriezentren und zog dazu auch Schüler höherer Klassen heran. Als Ersatz für männliche Arbeitskräfte wurden Frauen rekrutiert, in Industrie und Landwirtschaft wurden Kriegsgefangene und zwangsverpflichtete Personen aus Polen und der Ukraine eingesetzt.

Die Vernichtung der 6. deutschen Armee in Stalingrad im Jänner 1943, darunter viele Österreicher, brachte die Kriegswende, die in allen Bereichen des Alltags spürbar wurde. Am 13. 8. 1943 wurde als erste österreichische Stadt Wiener Neustadt von amerikanischen Bombern angegriffen, die aus Tunesien starteten. Später wurden Industrieanlagen, Erdölvorkommen, Transporteinrichtungen und Wohnsiedlungen bombardiert (Bombenkrieg). Alle größeren Städte Österreichs erlitten schwere Zerstörungen. Ab 28. 3. 1945 drangen Sowjettruppen aus Ungarn in Österreich ein und eroberten das Burgenland, Wien und die Osthälfte von Niederösterreich sowie die östliche Steiermark; der westliche Teil Österreichs wurde durch Amerikaner, Briten und Franzosen befreit, Südkärnten durch Jugoslawen.

Mit Ende des 2. Weltkriegs brachen die deutsche Verwaltung und die Einrichtungen der NSDAP zusammen, und in Wien wurde am 27. 4. 1945 die Wiedererrichtung der Republik Österreich proklamiert (Zweite Republik).

Zweite Republik:
Die Geschichte Österreichs in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich in folgende Abschnitte gliedern: 1) die Periode der durch die Besatzung eingeschränkten Souveränität 1945-55; 2) die Fortsetzung der großen Koalition bis 1966; 3) die Alleinregierung der ÖVP bis 1970; 4) die Alleinregierungen der SPÖ 1970-83 (Ära Kreisky); 5) die Koalitionsregierungen 1983-94; 6) die Mitgliedschaft in der Europäischen Union seit 1995.

1) Besatzungszeit bis 1955: In den letzten Wochen des 2. Weltkriegs konstituierten sich im sowjetisch besetzten Wien und Niederösterreich die 3 politischen Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ, die eine Provisorische Regierung (Bundesregierungen) unter der Führung von K. Renner bildeten (11 Vertreter der SPÖ, 9 ÖVP, 7 KPÖ). Diese proklamierte am 27. 4. 1945 die Wiedererrichtung der Republik Österreich und erließ in der Folge grundlegende Gesetze (Vorläufige Einrichtung der Republik gemäß Verfassung von 1920/29 nach Stand vom 5. 3. 1933, Verbot der NSDAP, Rechtsüberleitung), wurde aber nur von der Sowjetunion anerkannt, deren Truppen Wien, Niederösterreich, das Burgenland und Teile der Steiermark einnahmen. Von den westlichen Alliierten besetzten bis zum Kriegsende (7./9. 5. 1945) US-Truppen Tirol, Salzburg und Oberösterreich, die Franzosen Vorarlberg, die Briten und Jugoslawen Kärnten und Teile der Steiermark; von diesen wurden nur regionale (Länder) und lokale Verwaltungsorgane zugelassen. Das 1. Kontrollabkommen vom 4. 7. 1945 stellte Österreich unter eine alliierte Militärregierung, die Besatzungszonen wurden endgültig vereinbart, am 11. 9. hielt der Alliierte Rat (Besatzung 1945-1955) seine 1. Sitzung ab. Nach 2 Länderkonferenzen am 23./24. 9. und 9. 10. wurde die Regierung um Vertreter westlicher Bundesländer erweitert und der 25. 11. als Wahltermin festgelegt. Am 20. 10. anerkannten auch die westlichen Alliierten die Regierung Renner.

Die Nationalratswahlen am 25. 11. 1945 brachten der ÖVP die absolute Mehrheit mit 85 Mandaten, die SPÖ erhielt 76, die KPÖ überraschenderweise nur 4 Mandate. Damit war der künftige Weg zur Demokratie westlicher Prägung vorgezeichnet. Gleichzeitig fanden Landtagswahlen statt, nach deren Ergebnissen auch die Gemeinderäte zusammengesetzt wurden. Eine Konzentrationsregierung (bis 1947) unter L. Figl (K. Renner wurde Bundespräsident) musste das Überleben sichern (Hungerwinter 1946/47), das NS-Problem lösen (Nationalsozialistengesetz 1947, Amnestie für Minderbelastete 1948, Entnazifizierung), die Rückkehr der Kriegsgefangenen und Hilfe von außen (UNRRA) erreichen, mit einem gewaltigen Flüchtlings- und Vertriebenenproblem fertigwerden (Flüchtlinge) und den Wiederaufbau beginnen. Außenpolitisch wollte sie Südtirol gewinnen und strebte einen Staatsvertrag und den Abzug der Besatzung an. 1946 wurde durch das Gruber-De Gasperi-Abkommen die Grundlage der Autonomie für Südtirol geschaffen. Die Staatsvertragsverhandlungen begannen 1946/47, führten aber zu keinem Ergebnis, weil Gebietsansprüche Jugoslawiens, dann Ablöseforderungen der Sowjetunion für das deutsche Eigentum, schließlich der beginnende kalte Krieg (die Nachbarländer Ungarn und CSR wurden 1947/48 Volksdemokratien) dies verhinderten.

Von den Parteien waren ÖVP (Österreichische Volkspartei) und SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs) annähernd gleich stark, die KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs) blieb trotz der Kooperation mit den Linkssozialisten unter E. Scharf 1948 schwach, als 4. Partei bestand ab 1949 der Verband der Unabhängigen (VdU). Daneben wurden die Interessenvertretungen (Österreichischer Gewerkschaftsbund, Kammern) sozial- und wirtschaftspolitische Faktoren. Durch ihre Zusammenarbeit wurden 1947-51 zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation 5 Lohn- und Preisabkommen abgeschlossen. Der Abschluss des 4. Lohn- und Preisabkommens führte im September 1950 zu ausgedehnten Streiks, die die KPÖ zur Durchsetzung von mehr Einfluss benützen wollte, damit aber scheiterte.

Die Meinungsvielfalt (Zeitungen mit Lizenz der Alliierten, Rundfunk in der Hand der Besatzungsmächte) wurde ausgebaut und der Wiederaufbau begonnen, weitgehend unterstützt durch die Hilfe des Marshall-Plans, die 1948 einsetzte (die KPÖ hatte deshalb 1947 die Regierung verlassen). Die Beschlagnahmung des ehemaligen deutschen Eigentums durch die Sowjetunion 1946 und, unter anderem zur Verhinderung weiterer Beschlagnahmungen, die Verstaatlichung der Grundstoffindustrie sowie der führenden Banken im gleichen Jahr (die Energieversorgung wurde mit dem 2. Verstaatlichungsgesetz 1947 den Ländern übertragen) veränderten die Wirtschaftsstruktur und stärkten die Entwicklung der westlichen Bundesländer.

Eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Bundesländer galt der Wiederherstellung des Stephansdoms (Abschluss 1952). Beim kulturellen Wiederaufbau stand die Beseitigung der Kriegsschäden an Staatsoper, Burgtheater und anderen Theatern, Museen, Schulen und Universitäten im Vordergrund; die Institutionen waren erhalten geblieben, wurden neu formiert und repräsentierten Österreich (1948 Ausstellung der Kunstschätze in Amerika und in Westeuropa; ab 1945 Salzburger Festspiele, 1946 Bregenzer Festspiele, 1949 Wiener Festwochen; Wiener Philharmoniker und Wiener Symphoniker, Orchester der Länder). Kultur musste durch öffentliche Mittel gefördert werden, besonders schwierig war die Lage der bildenden Künstler.

Nach K. Renners Tod wurde 1951 T. Körner zum Bundespräsidenten gewählt, damit wurde die Reihe der von der SPÖ gestellten Präsidenten fortgesetzt (bis 1986), als Bundeskanzler wurde L. Figl 1953 durch J. Raab abgelöst, unter Finanzminister R. Kamitz (1952-60) begann ein neuer Wirtschaftskurs (Inflationsrate 1948-51 jährlich zwischen 30 % und 35 %). Der Raab-Kamitz-Kurs brachte: Steuersenkung, Konsolidierung des Budgets, soziale Marktwirtschaft mit Förderung der Privatbetriebe und gleichzeitigem Ausbau der verstaatlichten Industrie, Einsetzen des Fremdenverkehrs in den westlichen Bundesländern.

Ab 1953 nahmen die Spannungen gegenüber der sowjetischen Besatzungsmacht ab (Ende der Besatzungskosten, Abbau der Zonenkontrolle, Rückgabe von Baustellen der Autobahn und des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug), dadurch wurden ein zügiger Wiederaufbau der Kulturbauten sowie ein verstärkter Schul- und Wohnungsbau möglich; im Vergleich zu den unmittelbaren Nachkriegsjahren wurde beginnender Wohlstand spürbar.

Am 15. 5. 1955 konnte nach jahrelangen Verhandlungen die Unterzeichnung des Staatsvertrags von Wien erreicht werden, die letzten Besatzungstruppen zogen ab, am 26. 10. 1955 beschloss der Nationalrat die immerwährende Neutralität (seit 1965 Nationalfeiertag), Österreich war wieder ein souveräner Staat.

2) Fortsetzung der großen Koalition 1955-66: Durch die Neutralität hatte Österreich eine neue Position in Europa erhalten; noch 1955 trat es der UNO bei und beteiligte sich später an deren Friedensaktionen (UN-Einsätze). Seit 1956 gehört Österreich dem Europarat an. Während des Ungarnaufstands von 1956 wurde die Neutralität erstmals auf die Probe gestellt, das neu aufgestellte Bundesheer kam bei der Grenzsicherung zum Einsatz; von der Flüchtlingswelle war Österreich als einziges westlich orientiertes Nachbarland stark betroffen.

Weltpolitisch bedeutende Treffen, wie am 4./5. 6. 1961 zwischen N. S. Chruschtschow und J. F. Kennedy in Wien, hoben angesichts der Herausbildung der Militärblöcke NATO und Warschauer Pakt die Bedeutung der Neutralität. Sie machte aber einen Beitritt zur EWG unmöglich, hingegen gehörte Österreich ab 1960 der EFTA (Europäische Freihandelsassoziation) an.

Bei Neuwahlen blieb der Abstand der beiden Großparteien gering, seit 1956 war die FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) im Nationalrat (6 Mandate) vertreten, die KPÖ (zuletzt 3 Mandate) schied 1959 aus. Die SPÖ (A. Schärf und F. Jonas als Bundespräsidenten) wurde unter B. Pittermann (neues Programm) offener, in der ÖVP folgten auf A. Gorbach 1963 mit J. Klaus (Bundeskanzler) und H. Withalm (Generalsekretär) schärfer agierende Politiker. Auch radikale politische Gruppen traten auf, 1965 kam es zu Ausschreitungen wegen NS-Äußerungen von T. Borodajkewycz, F. Olah wurde 1964 aus der SPÖ ausgeschlossen und gründete eine neue Partei, die 1966 ohne Erfolg bei den Wahlen antrat. Insgesamt wurden Ansätze der Auflösung der überkommenen politischen Lager bemerkbar, die Proporzdemokratie geriet in Verruf.

Außenpolitisch bestimmte Südtirol (Anschläge, Verhaftungen) das Geschehen, 1959 brachte B. Kreisky das Problem vor die UNO, 1961 folgten neue Sprengstoffanschläge, 1964/65 kam es zur Erweiterung der Autonomie. Ab 1964 wurden die Kontakte zu den Staaten des von der UdSSR dominierten Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (COMECON) ausgebaut.

Ein Umbruch vollzog sich im Medienbereich, die Parteizeitungen gingen zurück, die Boulevardpresse war im Vormarsch, das Fernsehen fand rasche Verbreitung, unverminderter Parteieneinfluss führte 1964 zum Rundfunk-Volksbegehren und 1966 zur Umstrukturierung des Rundfunks (ORF, Ära Bacher).

Das Konkordat ermöglichte das Schulgesetzwerk 1962 (9. Schuljahr mit Polytechnischem Lehrgang, Umgliederung der Mittelschulen und höheren Schulen, Verlegung der Lehrerbildung in die Pädagogischen Akademien). Das Bildungsniveau der nachwachsenden Generation stieg beträchtlich. Viele Schulbauten für Pflicht- und höhere Schulen sowie Kulturbauten wurden errichtet (Wiener Stadthalle, 1958, Großes Festspielhaus in Salzburg, 1960), internationale Ausstellungen kamen nach Wien, das Museum des 20. Jahrhunderts in Wien wurde gegründet, Landes- und Stadtmuseen ausgebaut, eine neue Künstlergeneration nach Künstlern wie F. Wotruba und H. Boeckl erlangte Bedeutung (F. Hundertwasser, Wiener Schule des Phantastischen Realismus), in der Literatur wurde H. von Doderer zu einer führenden Persönlichkeit; für jüngere Autoren, wie I. Bachmann, setzte sich vor allem H. Weigel ein.

Die Wirtschafts- und Sozialstruktur veränderte sich infolge des Verlusts von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft durch die fortschreitende Mechanisierung; die frei werdenden Kapazitäten wurden zunächst von der Industrie aufgenommen, später im Dienstleistungsbereich. Stellung und Situation der Arbeiter verbesserten sich und wurden denen von Angestellten zunehmend angenähert; immer mehr Frauen wurden erwerbstätig. Die Verstädterung nahm zu, im Handwerk verschwanden bestimmte Berufe, neue entstanden. Im Bevölkerungsaufbau entwickelte sich eine tendenzielle Überalterung, der Ausbau des Sozialsystems (ASVG 1955, Bauern- und Selbständigenkrankenkassen) verstärkte die soziale Absicherung.

In den 60er Jahren entstanden viele Wohnbauten (Satellitenstädte, Siedlungen, Zunahme von Zweitwohnsitzen), der Straßenbau (Autobahnen, Schnellstraßen, Bundesstraßen) stieß noch nicht auf Widerstand.

Ab 1962 befand sich die große Koalition in einer Krise (Fall Habsburg 1962, Bemühungen der SPÖ um eine kleine Koalition mit der FPÖ, härtere Gangart der ÖVP, Olah-Krise und Fall Fußach 1964). 1965 endete die Legislaturperiode frühzeitig, bei den Wahlen vom 6. 3. 1966 erhielt die ÖVP die absolute Mehrheit.

3) Alleinregierung der ÖVP 1966-70: Nach der Wahl zerbrach die Koalition, die westlichen Bundesländer waren in der neuen Regierung unter Bundeskanzler J. Klaus stärker vertreten, im Parlament standen einander nun eine Regierungspartei und eine große Oppositionspartei gegenüber. Die Regierung (der mit G. Rehor erstmals eine Frau angehörte) bemühte sich um eine Versachlichung der Politik und um wichtige politische Reformen, die jedoch nur teilweise umgesetzt werden konnten; das Parlament beschloss eine Fülle von Gesetzen. Die Parteienstruktur änderte sich neuerlich: In der ÖVP geriet der Arbeiter- und Angestelltenbund in eine Krise (in Niederösterreich Affäre V. Müllner, H. Drimmel scheiterte in Wien). In der SPÖ erfolgte eine Kursänderung, B. Kreisky wurde statt B. Pittermann Parteiobmann und distanzierte sich von der KPÖ. In SPÖ und ÖVP wurden Fachleute stärker herangezogen, die "Neue Linke" erhielt kurzfristig Auftrieb, 1968 kam es zu Jugendkrawallen. Die KPÖ verlor ihre letzten Sitze in den Landtagen (CSSR-Krise). O. Habsburg wurde die Einreise gestattet.

Die Studentenzahlen stiegen stark an, Universitäts-Neubauten wurden in Salzburg, Linz und Wien errichtet, die Universität Innsbruck wurde erweitert, ein staatliches Stipendienwerk wurde geschaffen. Zur Bewältigung der Budgetsituation und von Strukturproblemen mussten von der Regierung unpopuläre Steuererhöhungen vorgenommen werden (Koren-Plan 1967/68).

4) Alleinregierungen der SPÖ 1970-83: Bei den Nationalratswahlen am 1. 3. 1970 erhielt die SPÖ mit 81 Mandaten (vorher 74) die relative Mehrheit im Parlament, gefolgt von der ÖVP mit 78 Mandaten (zuvor 85), die FPÖ behielt 6 Mandate. Bundeskanzler J. Klaus wollte keine Kontakte zur FPÖ; B. Kreisky bildete eine sozialistische Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ. Die Wahlrechtsreform mit der Erhöhung der Abgeordnetenzahl von 165 auf 183 sollte der FPÖ zugute kommen. Bei Neuwahlen 1971 erhielt die SPÖ mit 93 Mandaten die absolute Mehrheit und bildete eine Alleinregierung, der bereits 3 Frauen angehörten. Programm war die Erneuerung Österreichs in allen Bereichen. Ein Wissenschaftsministerium unter H. Firnberg reorganisierte 1975 die Hochschulstruktur (Gründung der Universität Klagenfurt 1973, Ausbau der Universitäten Salzburg und Linz, Übernahme der Kunsthochschule Linz durch den Bund, Errichtung weiterer Universitätsbauten). Unter den Unterrichtsministern L. Gratz (1970-71) und F. Sinowatz (1971-83) wurden viele Schulbauten des Bundes durch Leasing errichtet, Volks- und Hauptschulbau stagnierten jedoch wegen des Rückgangs der Schülerzahlen. In diesem Jahrzehnt erfolgte eine starke Förderung der Volksbildung (Volkshochschulen) und der Jugendkultur (Arenabewegung in Wien ab 1973), verstärktes Augenmerk fanden Restaurierung und Erhaltung von Denkmälern, historische Ausstellungen in fast allen Bundesländern trafen auf großes Interesse (Landesausstellungen), die Dorferneuerung wurde forciert. Mit K. Frisch und K. Lorenz stellte Österreich 1973 wieder Nobelpreisträger.

1972 wurde ein Gesundheitsministerium eingerichtet. Wichtige Reformen im Rechtsbereich wurden durch C. Broda durchgesetzt: ein neues Strafrecht trat 1975 in Kraft (Fristenregelung gegen den Widerstand der katholischen Kirche), 1975/78 erfolgte die Familienrechtsreform.

In der Wirtschaft herrschte 1970-74 Hochkonjunktur, der Bedarf an Arbeitskräften konnte im Inland nicht mehr gedeckt werden; mit der einsetzenden Zuwanderung von Gastarbeitern aus dem damaligen Jugoslawien und der Türkei begann eine Bevölkerungsentwicklung, die bis in die 90er Jahre anhielt. Ein hohes Maß an sozialem Frieden garantierte die Sozialpartnerschaft (Paritätische Kommission). Die verstaatlichte Industrie sollte durch Zusammenschlüsse gestärkt werden; 1970 hatten die ÖIAG-Betriebe 103.000 Beschäftigte, 1972 (mit Wirksamkeit ab 1. 1. 1973) wurde die VOEST-Alpine geschaffen, die Edelstahlwerke wurden in den VEW konzentriert, nach Zusammenschluss von Chemiebetrieben mit der ÖMV erfolgte auch in diesem Bereich eine kräftige Expansion. Die Kohleförderung wurde als unrentabel weitgehend eingestellt. In der Energiewirtschaft erfolgte unter anderem der systematische Ausbau von Donaukraftwerken (Donaukraft). Nach Fertigstellung des Atomkraftwerks Zwentendorf wurde dessen Inbetriebnahme durch eine Volksabstimmung am 5. 11. 1978 verhindert. Erdgas und Erdöl spielten eine immer größere Rolle in der Energieversorgung. Die internationale Ölkrise 1973/74 beeinflusste die Wirtschaftslage wesentlich. Die Gewerbeordnung wurde 1974 modernisiert. Die Einkommen der Bauern sanken (Bauern mit mittleren Betrieben wurden zu Nebenerwerbsbauern). Die Reallöhne der Arbeitnehmer stiegen. Verbunden mit einer Umstellung der Lebensgewohnheiten (weitere Motorisierung, längere Urlaube, Zweitwohnsitze) nahm das Pendlerwesen zu.

Im Regionalbereich erfolgten Strukturänderungen durch Zusammenlegungen von Gemeinden (Niederösterreich, Kärnten), durch höhere Anforderungen an die Infrastruktur (Wasser, Kanäle, Abfälle) und im Sozialbereich (Kindergärten, Gesundheitsversorgung, Seniorenheime); Supermärkte begannen sich im Einzelhandel durchzusetzen.

Die Außenpolitik war auf rege Kontakte aufgebaut, 1975 fanden die SAL-Gespräche in Wien statt, 1979 wurde das SALT-II-Abkommen unterzeichnet (J. Carter und L. Breschnew in Wien), 1981 fand die Nord-Süd-Außenministerkonferenz in Wien statt. Mit der Fertigstellung der UNO-City 1979 wurde Wien neben New York und Genf 3. UNO-Sitz. Österreich beteiligte sich an der Konferenz von Helsinki (1975) und den nachfolgenden Treffen der KSZE; durch das Engagement Kreiskys wurden der Nahe Osten und die arabische Welt stärker in die österreichische Außenpolitik einbezogen (PLO-Büro in Wien, 1982 Besuch von M. Gaddhaffi; UN-Einsätze auf den Golanhöhen zwischen Israel und Syrien). Die Beziehungen zu den kommunistischen Staaten wurden verbessert (besonders DDR, Polen, Ungarn, UdSSR), gespannt blieben die Beziehungen zur CSSR und zu Jugoslawien (Kärntner Ortstafelkonflikt 1972, Volksgruppengesetz 1976).

Nicht zuletzt die Nahostkontakte machten auch Österreich zum Ziel des internationalen Terrors: 1973 Anschlag in Marchegg, 22. 12. 1975 OPEC-Anschlag durch Terroristen mit dem Anführer "Carlos", 13. 12. 1976 Überfall deutscher Terroristen auf eine Bank in Wien, 1977 Entführung des Industriellen W. M. Palmers und von Frau L. Böhm, 1. 5. 1981 Ermordung des Wiener Stadtrats H. Nittel, Anschlag auf El-Al-Maschine auf dem Flughafen Wien 1985.

Am 19. 7. 1975 verunglückte der Obmann der ÖVP K. Schleinzer mitten im Wahlkampf tödlich, neuer Parteiobmann wurde J. Taus. Obwohl die ÖVP in den Bundesländern erfolgreich war, erreichte die SPÖ unter Kreisky bei den Nationalratswahlen am 5. 10. 1975 wieder die absolute Mehrheit. Ab 1976 wirkte sich die SPÖ-Vorherrschaft vor allem durch personelle Entscheidungen bei Beamten und Funktionären immer deutlicher auf die Gestaltung des Staates aus. 1977 wurde die Volksanwaltschaft eingeführt. Finanzminister H. Androsch wurde Vizekanzler, geriet jedoch mit Kreisky in Konflikt. Verteidigungsminister K. Lütgendorf (bis 1977) führte eine Verkürzung der Wehrdienstzeit ein. Unter O. Rösch erfolgte eine Gliederung des Bundesheers nach Einsatztruppe und Landwehr. Große Manöver 1979 sollten den Erfolg des Umbaus beweisen. Die Frage einer besseren Ausrüstung führte zu harten Diskussionen.

Die Wirtschaft geriet ab 1977 in Schwierigkeiten, bei VOEST und VEW wurde dies vorerst durch eine Expansion überdeckt, kritisch wurde die Lage für die übrige Schwerindustrie und den Textilbereich (1978 Konkurs der Vöslauer AG). Neue Betriebe wurden mit großzügigen Subventionen angesiedelt (Motorenwerk in Wien-Aspern 1982, Philips-Videowerk in Wien-Liesing), Großinsolvenzen (Eumig 1978) vernichteten viele Arbeitsplätze; die Krise wurde ab 1978 bei Betrieben der CA und ab 1980 auch der Länderbank deutlich, die Betriebe der ÖIAG hatten mit Absatzrückgängen und verstärkter ausländischer Konkurrenz zu kämpfen. Das Eindringen von Korruption und Kriminalität in Politik und öffentlicher Wirtschaft wurde an mehreren großen Skandalen sichtbar: AKH-Skandal 1980, Wohnbau Ost 1982, Lucona-Skandal.

Ab Mitte der 70er Jahre wuchsen Budgetdefizite und Staatsverschuldung, 1982 erreichte die Budgetkrise einen ersten Höhepunkt. Auch die Bilanz des Außenhandels, der vielfach nur durch Kredite an die Oststaaten (Polen, DDR) in Schwung gehalten werden konnte, verschlechterte sich; der Rückgang des Bauwesens verstärkte die Arbeitslosigkeit, die 35-Stunden-Woche wurde diskutiert. Trotz der ungünstigen Wirtschafts-Lage wurden die staatlichen Ausgaben für Sozialmaßnahmen erhöht; vor allem der Ausbau von Spitälern führte zu enormen Kosten im Gesundheitswesen.

Bei den Nationalratswahlen 1979 erreichte die SPÖ unter Kreisky mit 95 Mandaten ihr bestes Ergebnis, die ÖVP erhielt 77, die FPÖ 11 Mandate. J. Taus trat als Obmann der ÖVP zurück, sein Nachfolger wurde A. Mock, in der FPÖ folgte auf F. Peter 1978 A. Götz als Obmann, 1980 N. Steger. Als neue Parteien entstanden 1982 die Vereinten Grünen und die Grün-Alternativen. Bei der Regierungsbildung kamen mehr Frauen ins Kabinett, 1981 schied H. Androsch wegen des anhaltenden Konflikts mit Kreisky aus der Regierung aus und wurde CA-Generaldirektor

Der 1974 nach dem Tod von F. Jonas als Kandidat der SPÖ zum Bundespräsident gewählte R. Kirchschläger wurde 1980 ohne Gegenkandidaten der ÖVP mit 80 % der Stimmen wiedergewählt und erlangte in Österreich und international hohes Ansehen.

5) Die Koalitionsregierungen 1983-94: Bei den Nationalratswahlen vom 24. 4. 1983 verlor die SPÖ mit 90 Mandaten die absolute Mehrheit, die ÖVP erreichte 81 Mandate, die FPÖ 12. Kreisky zog sich aus der Politik zurück, sein Nachfolger F. Sinowatz bildete eine kleine Koalition mit der FPÖ, der zahlreiche Ämter überlassen wurden (Vizekanzler, Handelsministerium, Verteidigungsministerium, Justizministerium). In der SPÖ erfolgte ein Generationswechsel (Minister K. Blecha, H. Zilk, H. Moritz, H. Fischer). Eine wesentliche Forderung der FPÖ war der Privilegienabbau für beamtete Politiker, auch der Umweltschutz erhielt steigenden Stellenwert. Seit der Hainburger-Au-Besetzung im Dezember 1984 stieß auch der weitere Kraftwerksausbau an der Donau auf Widerstand. Die Ideen der Grünbewegung (grüne Parteien) begannen auf alle Parteien einzuwirken.

Nach der Verhinderung der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf 1978 wurden nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (UdSSR, heute Ukraine) am 26. 4. 1986 alle weiteren Spekulationen um die Atomenergie in Österreich hinfällig. Um die Infrastruktur von Zwentendorf zu nützen, wurde in Dürnrohr im Tullnerfeld ein großes kalorisches Kraftwerk gebaut.

Das schwerste Problem der Regierung war die Krise der ÖIAG; auch die Steyr-Werke gerieten in Schwierigkeiten, durch Frühpensionierungsaktionen für ältere Arbeitnehmer wurden Kündigungen in größerem Ausmaß vermieden. Eine tendenzielle Verbesserung 1984 wurde 1985 durch Fehlspekulationen der VOEST-Tochter Intertrading zunichte gemacht, der VOEST-Vorstand trat geschlossen zurück; dann erfolgte eine Umgliederung des Konzerns.

In der Budgetpolitik wollte man die Neuverschuldung des Staates einbremsen und die Schulden der Kreisky-Ära reduzieren. Auf regionaler Ebene kam dies der ÖVP politisch zugute, während der Fall Androsch die SPÖ belastete. Im Herbst 1984 wurde F. Vranitzky Finanz- und L. Gratz Außenminister.

1986 endete die zweite Amtsperiode von Bundespräsident R. Kirchschläger. Der folgende Wahlkampf stand im Zeichen der Auseinandersetzung um die Vergangenheit des ÖVP-Kandidaten K. Waldheim als Offizier der deutschen Wehrmacht; dieser gewann zwar am 8. 6. 1986 die Wahl, blieb aber vor allem im Ausland umstritten (Aufnahme in die "watchlist" der Vereinigten Staaten von Amerika, Reduktion der diplomatischen Beziehungen Israels zu Österreich). Eine internationale Historikerkommission fand 1987/88 keine belastenden Fakten, Waldheim blieb aber isoliert.

Am 16. 6. 1986 trat F. Sinowatz als Bundeskanzler zurück; sein Nachfolger wurde F. Vranitzky. In der FPÖ kam es zur Ablöse des Parteiobmanns N. Steger durch J. Haider. Die SPÖ kündigte am 15. 9. 1986 die Koalition mit der FPÖ auf. Bei den Nationalratswahlen vom 23. 11. 1986 blieb die SPÖ trotz Verlust von 10 Mandaten stärkste Partei, die ÖVP fiel von 80 auf 77 Mandate, die FPÖ erreichte 18 statt bisher 12 Mandate, die Grüne Alternative 8 Mandate. Daraufhin bildeten SPÖ und ÖVP eine große Koalition, formell bestand Parität, aber die SPÖ verfügte über wichtigere Positionen (Finanzen, Inneres, Soziales), A. Mock wurde Vizekanzler und Außenminister.

Die Struktur des Bundesheers fand bei den Jungmännern wenig Zustimmung, die Tendenz zum Zivildienst nahm zu. Die Auflösung des Ostblocks (1989-91) und der Jugoslawienkrieg (1991-95) zeigten aber die Bedeutung des Bundesheers.

Unter Justizminister E. Foregger wurden der Lucona-Prozess und der Noricum-Prozess geführt; Blecha und Gratz traten als Minister ab.

Auf dem Verkehrssektor erfolgten der Bau der U-Bahn in Wien und die Verbesserung des Bahnverkehrs, der Flughafen Wien wurde ausgebaut, der weitere Autobahnbau stieß auf Widerstand der Umweltschützer (Pyhrn-Autobahn).

In der Wirtschaftspolitik wurde auf die EG-Mitgliedschaft hingearbeitet. Nach bescheidenem Wachstum 1982-87 erfolgte 1988/89 ein großer Konjunktursprung trotz Auflagen für den Umweltschutz, die die Betriebe belasteten. Auch die Sanierung der verbliebenen verstaatlichten Industrie verlief aussichtsreich, die stabile Währungspolitik orientierte sich an der D-Mark. In den Jahren 1989 und 1993 traten Steuerreformen in Kraft, die Beschäftigtenzahlen stiegen, zusätzliche ausländische Arbeitskräfte wurden benötigt. Rückschläge gab es 1992 durch die Defizite der AMAG und die Auflösung der Austrian Industries. Der Auslandseinfluss nahm zu, nur dadurch konnten Arbeitsplätze in der Industrie geschaffen werden (BMW in Steyr, Chrysler in Graz). Dennoch sank die Zahl der Industrie-Beschäftigten 1974-94 von 680.000 auf 480.000, der öffentliche Dienst hingegen benötigte 1994 bereits 700.000 Dienstnehmer. Enorme Defizite entstanden bei den Österreichischen Bundesbahnen, 1994 wurden sie zu einem eigenen Wirtschaftskörper, Bemühungen um die "Neue Bahn" (Semmering-Basistunnel, Brenner-Basistunnel, Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene, Verkehrsverbünde) brachten keine grundlegenden Verbesserungen, auch die Erhaltung der Nebenbahnen verursachte Abgänge. Bei den Banken erfolgten Zusammenschlüsse (Zentralsparkasse und Länderbank zur Bank Austria, Konzentrationen bei Sparkassen).

Die Veränderung des Bevölkerungsaufbaus ist durch höhere Lebenserwartung, geringere Anzahl von Kindern (1988 gab es 500.000 Kinder weniger als 1971) und bis Mitte der 90er Jahre durch eine relativ hohe Zuwanderungsrate (1981-91 216.000) gekennzeichnet. Weiter zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen, hohe Scheidungsraten und Ansteigen von Single-Haushalten drängen die traditionelle Familienstruktur in den Hintergrund. Die hohe Lebenserwartung und die Zunahme von Frühpensionen führten zu steigenden Defiziten bei den Pensionsversicherungen, deren Reform 1988 begonnen wurde. Die 1993 beschlossene Pflegeversicherung brachte eine erste systematische Regelung der Unterstützung pflegebedürftiger Personen, zeigte aber auch die Grenzen der Finanzierbarkeit des Wohlfahrtsstaats auf. Maßnahmen gegen die stark steigenden Spitalskosten (Krankenhäuser) blieben ohne Erfolg. Dem zunehmenden Umweltbewusstsein wurde durch neue Gesetze entsprochen (Umweltpolitik), im Bereich der Abfallwirtschaft kam Mülltrennung und Recycling erhöhte Bedeutung zu.

Der Medienbereich veränderte sich infolge von wirtschaftlicher Liberalisierung und verstärktem Wettbewerb um Verbreitungsanteile. 1992 gab es in 94 % aller österreichischen Haushalte mindestens ein Farbfernsehgerät; durch Satelliten- und Kabelfernsehen wurde die Monopolstellung des ORF geschwächt. Auf ORF-Generalintendant T. Podgorski folgte 1990-94 nochmals eine Ära Bacher, unter G. Zeiler wurde der ORF den internationalen Tendenzen angepasst. Bei den Zeitungen profitierte vor allem die Boulevardpresse vom verstärkten Wettbewerb, neben der wirtschaftlich erfolgreichsten österreichischen Zeitung, der "Neuen Kronen Zeitung", etablierten sich "täglich Alles" und "Die ganze Woche"; im Bereich der niveauvollen Tageszeitungen trat 1988 der neugegründete "Standard" in Konkurrenz zur "Presse" und zur Bundesausgabe der "Salzburger Nachrichten" (Presse).

Im Kulturbereich endete für die Salzburger Festspiele mit dem Tod H. von Karajans 1989 eine Epoche; G. Mortier gab neue Impulse. Auch in den anderen Bundesländern wurden die Vielfalt und das Niveau des kulturellen Angebots gesteigert. Zu den Bregenzer Festspielen kamen als weitere Großveranstaltungen der Carinthische Sommer in Kärnten, das Brucknerfest in Oberösterreich ("Ars Electronica", Klangwolke), das Donaufestival in Niederösterreich, der "steirische herbst" und die "styriarte" in der Steiermark sowie die Festwochen Alter Musik in Innsbruck (Tirol). Als Burgtheaterdirektor verlieh C. Peymann ab 1986 diesem Theater ein unverkennbares Gepräge, blieb aber in seiner Spielplangestaltung (zahlreiche Inszenierungen von österreichischen Dramatikern der Gegenwart, wie T. Bernhard, P. Handke, E. Jelinek) umstritten. 1987 wurde die Europalia in Belgien von Österreich gestaltet. Eine Phase der Modernisierung erlebten die Bundesmuseen ("Museumsmilliarde"); mit der Sammlung Leopold erwarb der Staat 1994 wichtige Kunstwerke der österreichischen Moderne.

Besonders stark waren die Veränderungen im Bereich der Kirchen. Die katholische Kirche (1991 78 % der Bevölkerung) leidet unter zunehmendem Priestermangel und fehlendem Ordensnachwuchs. Sowohl die Zahl der Mitglieder der christlichen Kirchen als auch die Zahl der aktiven Teilnehmer im kirchlichen Leben ist rückläufig. Islamische Moscheen entstanden in Vorarlberg und Wien. 1983 und 1989 besuchte Papst Johannes Paul II. Österreich; Kardinal F. König, der in der Kirche eine aufgeschlossene Haltung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen vertreten hatte, trat 1985 als Erzbischof von Wien altersbedingt zurück; mit seinem Nachfolger H. H. Groër begannen Ernennungen konservativer Bischöfe (1989 G. Eder in Salzburg und K. Küng in Feldkirch, 1991 K. Krenn in St. Pölten).

Nachdem die EFTA durch den 1972 erfolgten Übertritt Großbritanniens, Dänemarks und Irlands zur EWG geschwächt worden war (die restlichen EFTA-Länder, also auch Österreich, hatten im selben Jahr Zollerleichterungen erwirkt), bewarb sich Österreich 1989 um Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft und nahm bereits an Brüsseler Programmen im Forschungsbereich (Eureka) teil.

Im Herbst 1989 veränderte die Ostöffnung das außenpolitische Umfeld, Ungarn und die Tschechoslowakei (ab 1. 1. 1993 Spaltung in Tschechien und Slowakei) wurden demokratische Staaten. Jugoslawien geriet ab 1991 in einen dramatischen Auflösungsprozeß, der zu einem jahrelangen Bürgerkrieg im Südosten von Österreich führte; der Krieg verlagerte sich von Slowenien nach Kroatien, dann nach Bosnien, von dort kamen viele Flüchtlinge nach Österreich; mit der Aktion "Nachbar in Not" schuf Österreich wirkungsvolle Hilfsmaßnahmen für die Zivilbevölkerung im ehemaligen Jugoslawien. Durch den Zustrom von Asylwerbern und durch illegale Einwanderung nahm in den 90er Jahren der Ausländeranteil weiter zu. Im Jänner 1993 wurde auf Forderung der FPÖ das Volksbegehren "Österreich zuerst" abgehalten; im selben Jahr wurde ein strengeres Aufenthaltsgesetz beschlossen (später noch verschärft).

Nach dem Zerfall der kommunistischen Diktaturen in Mittel- und Osteuropa wurde die Abschaffung der Neutralität diskutiert; Überflüge wurden bei UN-Einsätzen erlaubt (Golfkrieg 1991). 1990 fielen mit Zustimmung der Signatarmächte einige Bestimmungen des Staatsvertrags weg, doch bleibt das Verbot von ABC-Waffen für Österreich aufrecht.

Bei den Nationalratswahlen vom 7. 10. 1990 behielt die SPÖ 80 Mandate, die ÖVP sank von 77 auf 60 Mandate, die FPÖ erhöhte den Mandatsstand von 18 auf 33, die Grünen erhielten 10 Mandate. Die große Koalition wurde mit neuen Ministern fortgesetzt.

Seit 1991 nennt sich die SPÖ "Sozialdemokratische Partei"; die "Arbeiterzeitung", bis 1989 Parteizeitung, wurde 1991 eingestellt, das Verlagshaus Vorwärts aufgegeben; SPÖ-Obmann wurde 1988 F. Vranitzky als Nachfolger von F. Sinowatz. Auf A. Mock folgte J. Riegler als ÖVP-Obmann (1989), nach der schweren Wahlniederlage 1990 übernahm E. Busek die Führung. Ihre aggressive Oppositionspolitik brachte der FPÖ laufend Stimmengewinne, J. Haider wurde Landeshauptmann von Kärnten, aber nach kurzer Zeit 1991 abgewählt; 1993 spaltete sich das Liberale Forum mit Heide Schmidt und 5 Abgeordneten von der FPÖ ab. Die Grüne Alternative, bis 1988 von F. Meissner-Blau geleitet, konnte in der Folge unter M. Petrovic bis 1994 die Stagnation überwinden. Bei der KPÖ trat 1990 Obmann F. Muhri zurück, die Nachfolger schafften das Zentralkomitee ab, die "Volksstimme" wurde 1992 als Tageszeitung eingestellt.

Dieselben Tendenzen (Schwächung von ÖVP und SPÖ, Gewinne der FPÖ, Mandate für Grüne und Liberale) kennzeichneten in den 90er Jahren auch die Regionalpolitik auf Ebene der Länder und Gemeinden. Die ÖVP verlor die absolute Mehrheit 1991 bei den Landtagswahlen in der Steiermark und in Oberösterreich sowie 1993 in Niederösterreich; in Wien war die FPÖ bereits 1991 zur zweitstärksten Partei aufgestiegen. Auf H. Zilk folgte 1994 M. Häupl als Wiener Bürgermeister; 1996 verlor die SPÖ die absolute Mehrheit in Wien.

Am 24. 5. 1992 wurde T. Klestil als ÖVP-Kandidat zum Bundespräsidenten gewählt, stärker als sein Vorgänger Waldheim konnte er innen- und außenpolitische Akzente setzen; 1998 wurde Klestil für eine 2. Amtsperiode wiedergewählt.

In einer Wahlrechtsreform wurden 1993 9 statt 45 Wahlkreise festgelegt, für Kleinparteien wurde die 4-%-Klausel eingeführt.

Die Nationalratswahl vom 9. 10. 1994 beendete die ab 1945 bestehende Übermacht von 2 dominierenden Großparteien. Die Regierungsparteien verloren massiv, die SPÖ sank auf 35,4 % der Stimmen und 65 statt 80 Mandate, die ÖVP auf 27,7 % und 52 statt 60 Abgeordnete, während die Oppositionsparteien zulegen konnten. Die FPÖ kam mit 22,6 % und 42 Mandaten der ÖVP nahe, die Grünen erhielten 7 % der Stimmen und 13 Mandate, das Liberale Forum zog mit 5,7 % der Stimmen und 11 Mandaten in den Nationalrat ein. Die Koalitionsparteien verloren im Parlament die Zweidrittelmehrheit; SPÖ und ÖVP bildeten wieder eine Koalitionsregierung, deren vordringlichstes Ziel die Sanierung des Budgets wurde.

6) Mitgliedschaft in der Europäischen Union seit 1995: Die Verhandlungen um den EU-Beitritt Österreichs wurden 1993 konkret aufgenommen. 1994 trat der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) in Kraft, dem alle EU-Staaten und alle EFTA-Staaten (mit Ausnahme der Schweiz) angehören. Die Beitrittsverhandlungen Österreichs zur Europäischen Union kamen 1994 zum Abschluss, die Volksabstimmung am 12. 6. 1994 brachte mehr als 65 % Zustimmung. Der Beitritt erfolgte am 1. 1. 1995, erster österreichischer EU-Kommissar wurde F. Fischler (Agrarressort, später auch Fischerei).

Im Frühjahr 1995 wurde die Regierung zweimal umgebildet (SPÖ im April; ÖVP im Mai: auf E. Busek folgte der neue ÖVP-Obmann W. Schüssel als Vizekanzler und wurde Außenminister). Auseinandersetzungen bei der Budgeterstellung für die Jahre 1996 und 1997 (Erfüllung der Konvergenzkriterien für die Einführung der gemeinsamen EU-Währung Euro) führten zu Neuwahlen am 17. 12. 1995. Die SPÖ erhielt 71 Mandate, die ÖVP 53, die FPÖ 40, die Grünen 9 und das Liberale Forum 10 Mandate.

Die Koalition SPÖ-ÖVP wurde fortgesetzt, neuer Finanzmin. wurde V. Klima, dessen Maßnahmen für das Doppelbudget 1996 und 1997 die Erreichung der Kriterien für den Euro ermöglichten. Klima folgte im Jänner 1997 Vranitzky als Bundeskanzler, R. Edlinger wurde Finanzminister. Maßnahmen im Bereich der Pensions- und Krankenversicherungen brachten die Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die Sozialversicherung und weitgehende Änderungen bei den Ruhebezügen der Beamten.

In der Wirtschaft betrafen dramatische Veränderungen die Genossenschaften (Insolvenz des Konsum 1995; Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften in engem Zusammenhang mit dem EU-Beitritt). Im Bankensektor erwarb die Bank Austria die Mehrheit an der Creditanstalt von der Republik Österreich Die Erste österreichische Spar-Casse-Bank fusionierte mit der GiroCredit zur Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen. Steigende Exporte stützen die Konjunktur bei sehr niedrigen Inflationsraten. Weltweite Konzentrationsprozesse haben auch ihre Auswirkungen auf Firmen und Betriebe in Österreich

Die katholische Kirche Österreichs befindet sich in Veränderung. 1995 trat Kardinal Groër als Erzbischof von Wien zurück, Nachfolger wurde C. Schönborn. Das Kirchenvolksbegehren von 1996 versucht, Forderungen der Laien an die Amtskirche zur Geltung zu bringen, und wurde zum Vorbild ähnlicher Aktionen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten von Amerika.

1996 wählte Österreich erstmals in direkter Wahl seine Abgeordneten zum Europäischen Parlament. Für das zweite Halbjahr 1998 übernahm Österreich erstmals den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Seit 1. 1. 1999 ist die österreichische Währung der Euro (der Schilling ist nur noch Hilfswährung). Die FPÖ setzte ihren Aufstieg fort: Bei den Landtagswahlen in Kärnten wurde sie zur stärksten Partei und J. Haider neuerlich Landeshauptmann; bei den Nationalratswahlen am 3. 10. 1999 erhielt sie 26,91 % der Stimmen (52 Mandate) und wurde (knapp vor der ÖVP, ebenfalls 26,91 % und 52 Mandate) zur zweitstärksten Partei. Stärkste Partei blieb trotz Verlusten die SPÖ (33,15 %, 65 Mandate). Die Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP scheiterten nach monatelangen Verhandlungen. Die Bildung einer Regierung im Februar 2000 von ÖVP und FPÖ unter Bundeskanzler Schüssel führte im Inland zu Demonstrationen; gravierender waren die außenpolitischen Folgen der FPÖ-Regierungsbeteiligung ("Sanktionen" der anderen EU-Länder). An der Spitze der FPÖ folgte auf J. Haider Vizekanzlerin S. Riess-Passer. Die SPÖ ging nach 30 Jahren an der Regierung in Opposition; neuer Bundesparteivorsitzender wurde A. Gusenbauer. Hauptproblem der neuen Regierung bleibt weiterhin die Budgetkonsolidierung.

(Quelle: www.aeiou.at - das Kulturinformationssystem des BM:BWK)